Bewegung beim Arbeiten: Wie Herz-Kreislauf und mentale Funktionen ganz einfach nebenbei angekurbelt werden können

Mehrere Deskbikes in einem Büro

7,5 Stunden durchschnittlich sitzen die Deutschen insgesamt an Werktagen, Menschen mit Schreibtischjobs erheblich mehr. Auslöser sind Arbeit und Fernsehen (DKV Report 2018). Die Natur hat uns nicht für langes Sitzen ausgestattet. Das Risiko für Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, aber auch für Rückenbeschwerden, steigt mit zunehmenden Sitzzeiten. Auch regelmäßige Bewegung in der Freizeit kann dieses Risiko nicht komplett ausgleichen, deshalb ist die regelmäßige Unterbrechung der sitzenden Tätigkeit die einzige Lösung.

Innovative Lösungen gegen Bewegungsmangel

In amerikanischen Unternehmen werden bereits seit einigen Jahren sogenannte Dynamic Workplaces eingesetzt. Darunter versteht man Geräte zur Bewegung am Arbeitsplatz, ohne dass die Arbeit unterbrochen werden muss. Zunehmend werden diese auch in Deutschland eingesetzt. Mit dem Worktivity Deskbike, einem Schreibtischfahrrad, das am höhenverstellbaren Schreibtisch eingesetzt wird, kann der optimale Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Radeln stattfinden. Dadurch wird das psychische und körperliche Wohlbefinden gesteigert. Die Aktivierung ist bereits nach kurzer Zeit spürbar.

Laut zahlreicher Studien schadet die Bewegung auf dem Deskbike der Arbeitsleistung nicht. Die Geräte sind leise und können im Widerstand angepasst werden. Sie sind durch die Höhe des Sattels einstellbar auf verschiedene Körperlängen, so dass eine ergonomische Haltung möglich ist. Durch eine App können per Bluetooth die zurückgelegten Strecken sowie eine Schätzung der verbrauchten Kalorien auf dem eigenen Smartphone angezeigt werden.

Bürosituation mit Worktivity Deskbike
Die Bewegung auf dem Deskbike fördert die Arbeitleistung. Foto: Worktivity GmbH

Gesundheitsförderung auch für Bewegungsmuffel

Gesundheitskurse in Unternehmen werden häufig vor allem von ohnehin sportaffinen Mitarbeitern genutzt. Die Möglichkeit, direkt am Arbeitsplatz aktiv zu werden, ist auch für Menschen interessant, die weder in der Freizeit sportlich aktiv sind noch an betriebsinternen Angeboten teilnehmen. Radfahren ist eine Bewegung, die vertraut ist. Bei dieser Maßnahme geht es auch nicht um Leistung, sondern um moderate Bewegung. Die Sitzhaltung sollte alle 1-2 Stunden unterbrochen werden, dadurch kann ein Deskbike sehr gut von mehreren Mitarbeitern genutzt werden.

Auch mehrere Worktivity Deskbikes können in einem Büro zum Einsatz kommen. Das Schreibtischfahrrad ermöglicht den optimalen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Radeln. Foto: Worktivity GmbH

Welche Voraussetzungen sind für einen erfolgreichen Einsatz notwendig?

Die Information der Mitarbeiter über den Nutzen steht im Vordergrund. Gesundheitsmanagement und Betriebsärzte sind wichtige Multiplikatoren, um die Motivation der Mitarbeiter zu wecken. Der für den Arbeitsschutz zuständige Mitarbeiter sollte ebenfalls einbezogen werden. Die DGUV hat in einem großen Projekt die Aktiven Arbeitsplätze untersucht und einen Report dazu herausgegeben (IFA Report 3 2018).
Einsatzmöglichkeiten gibt es sowohl im Open Space als auch in konventionellen Büroumgebungen. Auch im Homeoffice wird mittlerweile geradelt. Webkonferenzen mit „bewegten“ Kollegen sind oft effektiver und kürzer.

Über die Autorin

Dr. Ingeborg Eisenacher-Abelein, Geschäftsführerin Worktivity GmbH

Dr. Ingeborg Eisenacher-Abelein ist Geschäftsführerin der Firma Worktivity GmbH. Davor war sie als Stellvertretende Leitende Betriebsärztin für das Gesundheitsmanagement eines großen Telekommunikationsunternehmens zuständig und konnte in dieser Funktion ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zum Einsatz von Deskbikes im Unternehmen initiieren.

Mittlerweile zählt Worktivity nicht nur Unternehmen zu seinen Kunden, sondern auch einige Schulen,
die Deskbikes im Klassenzimmer erfolgreich einsetzen und so dem zunehmenden Bewegungsmangel
bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken.

Wer den ganzen Tag sitzt, hat keine Ideen – Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in Büros

Wald Ideen Kreativität iafob

Im Juli 2018 meldete die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV): „Niedrigste Bewegungszeit – Deutschland sitzt sich krank“.

Der Stand der Bewegung sank auf den niedrigsten Wert seit 2010. Damals erfüllten immerhin noch 60 Prozent das Mindest-Soll gemäß den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO, die besagen: 150 Minuten pro Woche zur Arbeit oder einkaufen gehen, Treppen laufen, radeln, schwimmen, Bergsteigen – was auch immer, nur nicht sitzen. Ende Juli 2021 erscheint der neue DKV-Report. Haben die Menschen die Mobilitäts- und Kontaktbeschränkungen für mehr körperliche Aktivität genutzt?

Denken braucht Bewegung

In den Lehranstalten der Antike hatte die Akademie als Zentrum den Wandelgang, in dem der Lehrer im Gespräch mit einzelnen Schülern auf- und abging. Denken braucht keine Ruhe, Bewegung nützt dem Denkvorgang, weil dann mehr Hirnareale beteiligt sind.

In manchen Schulen in Deutschland wird seit einiger Zeit während des Unterrichts gestrampelt: Schüler sitzen auf einem Fahrrad-Ergometer oder laufen auf einem Laufband herum. Erprobt wird das Vorgehen an zwei Schulen in Bremen und Aschaffenburg. Erste wissenschaftliche Untersuchungen durch die Universität Oldenburg zeigen, dass das Ziel erreicht wird. Die Schüler bringen tatsächlich bessere Leistungen im Rechnen und können sich besser und länger konzentrieren.

“Bewegung nützt dem Denkvorgang, weil dann mehr Hirnareale beteiligt sind.”

Körperliche Aktivität fördert nicht nur Durchblutung und Muskelaufbau, sie ist also auch nützlich für Geist und Seele. Eine Studie von Forschern der Universität Ulm ergab, dass Grundschüler, die täglich Sportunterricht haben und dafür weniger Unterricht in anderen Fächern, bessere Leistungen als eine Vergleichsgruppe besonders in Mathematik erbringen. Es erhöht außerdem das räumliche Vorstellungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit.

„Die Bewegung an sich macht nicht intelligenter“, sagt Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Aber Kinder werden durch den Sport ruhiger, so können sie sich besser konzentrieren, mehr Wissen aufnehmen und werden dadurch leistungsfähiger.“

Nach neuesten Erkenntnissen verändert sich durch Bewegung das Gehirn. Die Hirnareale, die für Faktenwissen, Erinnerungen, räumliche Lern- und Gedächtnisprozesse zuständig sind, wachsen und werden besser verschaltet.

Wald Ideen Kreativität iafob
Foto: Emma K. Boch

Der Arbeitsraum muss zum Bewegungsraum werden

Wir müssen wegkommen vom bewegungslosen Sitzen. Ein guter Bürostuhl für dynamisches Sitzen ist hier der erste Schritt für mehr Bewegung. Auf den neuen, dreidimensional beweglichen Bürostühlen reichen kleinste, unbewusste Gewichtsverlagerungen, um ganz automatisch die Gelenke gängig zu halten, die Muskeln zu versorgen und das Gehirn zu stimulieren.

Gebraucht wird ein Stuhl, der so flexibel ist, dass er möglichst viele Sitzhaltungen erlaubt, denn „die beste Haltung ist die jeweils nächste“. Eine andere Sitzhaltung einzunehmen, bedeutet auch eine neue Perspektive zu gewinnen. Je variabler die Sitzhaltungen sind, desto gesunderhaltender ist das Bewegungsverhalten und die veränderten Blickwinkel erzeugen veränderte Betrachtungsweisen der gleichen Situation.

Aber das allein genügt nicht. Der gesamte Arbeitsraum sollte zur Bewegung auffordern.

Wie in einem Kindergarten, wo zwei Räume zur Verfügung stehen, ein großer zur Gestaltung der Spiel- und Erziehungssituation und ein zweiter kleiner als Ablageraum für die dazu notwendigen Möbel.

Der große Raum kann je nach den Bedürfnissen gestaltet werden: Zum Singen stellen die Kinder Stühle in einen Kreis, zum Malen werden Tische und Stühle aufgebaut, zum Ausruhen legt man Matratzen aus, etc. Die Kinder haben Spaß bei der Gestaltung, sie können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben und sie lernen dabei soziales Verhalten.

“Wenn Mitarbeitende zu Beginn eines Meetings den Raum selbst mit Tischen, Stühlen, Präsentationsmaterial und unterstützender IT miteinander aufbauen, lernen sie sich besser kennen, üben soziales Verhalten – und das trägt zu einem besseren Ergebnis der Besprechung bei.”

Tropfen im Wasser
Foto: Emma K. Boch

Der Arbeitsraum, der sich frei umgestalten lässt, gibt den Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich voll zu entfalten und sich zu engagieren. Und er bietet die Chance, sich zu bewegen.

Wenn Mitarbeitende zu Beginn eines Meetings den Raum selbst mit Tischen, Stühlen, Präsentationsmaterial und unterstützender IT miteinander aufbauen müssen, lernen sie sich besser kennen, üben sie soziales Verhalten – und das trägt zu einem besseren Ergebnis der Besprechung bei. Es unterstützt die Teambildung, wenn Mitarbeitende sich die Tische und Stühle für ein Meeting oder ein zu startendes Projekt selbst zusammenstellen müssen. Bewegung ist nicht nur gesundheitserhaltend, sondern schafft Raum im Kopf für kreative Ideen. Und diese Arbeitslandschaft ist auch flächensparend und nachhaltig.

Bewegung führt über Gesundheit zu einer neuen Unternehmenskultur

„Unfertige“ Räume und Möbel schaffen ein innovationsförderndes Klima. Dazu braucht es lediglich beispielsweise falt- und klappbare Tische, rollbare Sitz- und Stehmöglichkeiten sowie beschreibbare Wände, aber auch eine perfekte mediale und digitale Unterstützung.

Klaus Würschinger, Architekt aus Berlin, sagte schon auf der iafob deutschland Jahrestagung 2017: “Co-Working-Spaces sind ein ideales Betätigungsfeld für die Beschäftigten. Meine Erfahrung: In unfertigen Räumen kann man schöne Dinge entstehen lassen.“

Ein Prinzip des Open-Space-Konzepts (Harrison Owen) ist das der Beweglichkeit. Die Teilnehmer einer Open-Space-Veranstaltung stehen auf, gehen in die Mitte und schreiben dort auf vorbereiteten Blättern ihr Thema nieder. Wenn alle Themen benannt sind und niemand ein weiteres vorzubringen hat, wird der Marktplatz eröffnet. Auf diese Weise ist jeder Raum oder das ganze Gebäude, in dem Open Space stattfindet, ein einziger Workshop. Überall Gespräch, überall Diskussion, überall ein Kommen und Gehen, überall Bewegung. Der Open Space Gedanke fördert damit die gesundheitserhaltenden Verhaltensweisen hin zu einer Unternehmenskultur, die betriebliche Gesundheit als eines ihrer Elemente sieht.

Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel in deutschen Büros. Weg vom genormten, starren Sitzarbeitsplatz hin zum menschengerechten Arbeiten im Bewegungsraum. Der Mensch ist physiologisch für das lange Sitzen nicht geschaffen, nur in Bewegung können Körper und Geist leistungsfähig sein.

Mehr in: Flexible Arbeitswelten, Band 4, Kapitel 3, Gesundheitsförderliches Arbeiten

Über den Autor

Dieter Boch, Geschäftsführer iafob deutschland

Dieter Boch ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland) und Leiter des internationalen Flexible.Office.Network., einem überbetrieblichen Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zur BüroArbeitswelt von Morgen.

Als Dozent lehrte er an der Fachhochschule Salzburg und der Hochschule für Wirtschaft in Zürich Führungsverhalten und Future Work & Workplace Design.

Der Diplom-Psychologe ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und 
Mitherausgeber der Buchreihe „Flexible Arbeitswelten“. 

Was ist gesunde und zukunftssichere Büroarbeit nicht nur im Zeichen von Corona?

Das Thema steht seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ganz oben auf der Agenda von Unternehmen und Gesellschaft. Doch Gesundheit ist mehr als nur Virenschutz! Wir machen deshalb „reinen Tisch“ und zeigen Lösungen für eine in jeder Hinsicht gesunde Büroarbeit.

Gesundheit und Sicherheit im Büro – seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben diese beiden Themen Hochkonjunktur: Neben den bisherigen Regularien des Arbeitsschutzes stehen nun neue Parameter im Vordergrund, die mit Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygienevorschriften speziell dem Infektionsschutz dienen. Doch geht es bei Gesundheit nicht eigentlich um mehr? Und was bedeutet das dann für die Planung und Organisation von Büroarbeit?

Gesunde Büroumgebungen fördern das Wohlbefinden

Das Unternehmen Wilkhahn beschäftigt sich schon sehr lange und intensiv mit der Entwicklung von Konzepten und Büromöbeln, die das Thema Gesundheit ganzheitlich begreifen. Das bedeutet an erster Stelle, dass die Planung einer wirklich gesunden und motivierenden Büroumgebung immer das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen in den Mittelpunkt stellt – mit dem Ziel, die Gesundheit aktiv zu fördern und Belastungsfaktoren zu reduzieren.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, gilt es Menschen zur Stärkung des Immunsystems in Bewegung zu bringen und flexible Lösungen zu entwickeln, die den selbstorganisierten Wechsel zwischen Interaktion und Abschirmung vereinfachen. Dann können etwa die in Epidemie-Zeiten ohnehin kaum genutzten Foyers, Konferenz- und Seminarräume kurzerhand als temporäre Büroflächen dienen, die mit mobilen und klappbaren Tischplätzen an den aktuellen Stand der Regelungen angepasst werden.

Wo sonst „nur“ gewohnt wird, ist nicht immer eine passende Infrastruktur für die Büroarbeit gegeben.

Burkhard Remmers, Wilkhahn

Professionelle Lösungen für das Homeoffice

Auch das Homeoffice hat sich in Zeiten von Corona als Option für sichere Büroarbeit erwiesen – und es wird sich auch weiterhin etablieren. Aber gibt es überhaupt „das“ Homeoffice? Wo sonst „nur“ gewohnt wird, ist nicht immer eine passende Infrastruktur für die Büroarbeit gegeben. Entscheidend ist hier, dass die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden und dafür dann jeweils professionelle Lösungen bereitgestellt werden. Auch für diejenigen Fälle, in denen die Standards aus dem Büro nicht übertragen werden, gibt es mittlerweile sehr clevere Lösungen, die für die mobile Arbeit zu Hause auch wirklich praktikabel sind.

Aber eines sei nicht vergessen: Auch das beste Homeoffice kann das Büro als sozialen Raum nicht ersetzen. Ein Ort für spontanen und kreativen Austausch, inspirierende und zufällige Begegnungen und das Gefühl von Gemeinschaft und Kooperation. Denn Isolation macht auf Dauer krank. Nähe und Austausch zu fördern – auch das zahlt auf Gesundheit, Produktivität und nicht zuletzt auf Innovationskraft ein.

Wilkhahn hat seine inspirierenden Ansätze und Lösungen für gesunde und effiziente Büroarbeit in einer übersichtlich gegliederten, digitalen Broschüre zusammengefasst. Damit können Sie unkompliziert zu einem gesunden Arbeitsmodus im „neuen Normal“ der Nach-Corona-Zeit finden.

Über den Autor

Burkhard Remmers, Wilkhahn

Burkhard Remmers, studierter Germanist und Historiker, verantwortet seit 1995 bei Wilkhahn den Bereich Internationale Kommunikation und Public Relations.

Der Büromöbelhersteller erhielt nicht nur hochrangige internationale Designpreise sondern wurde bereits 1996 mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Als Autor zahlreicher internationaler Fachpublikationen, Buchbeiträge und Vorträge gilt Burkhard Remmers als Experte für die Zusammenhänge von Architektur, Kommunikation, Ergonomie und Design im Kontext zukunftsfähiger Office-Konzepte.

Was hat das Streben nach Gesundheit mit der Zukunft des Büros zu tun?

iafob Deutschland Gesundheit Megatrend

Gesundheit ist seit der Corona-Pandemie zu dem Megatrend geworden, sagen einige Trendforscher. Nein, Gesundheit ist seit über 20 Jahren der Megatrend!

Gesundheit ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts der wichtigste Motor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den westlichen Industriestaaten. Der Gesundheitsmarkt gehört zu den größten Branchen der Welt.  

So sind seit 2000 zwei Drittel der neuen Arbeitsplätze in den USA im Gesundheitssektor entstanden. Im Jahr 2024 wird der Gesundheitssektor nach einer Studie des US-Bureau of Labor Statistics der größte Arbeitgeber der USA sein. 

Denn seit der Jahrtausendwende befinden wir uns im sechsten Kondratieffzyklus (Die Theorie der langen Wellen der Weltwirtschaft, benannt nach dem sowjetischen Wissenschaftler Kondratieff.) Sein Auslöser und Träger ist das Gesundheitswesen. Seine Basisinnovationen sind psychosoziale Gesundheit und Biotechnologie.

Abb. 1: Die Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung, Quelle: Leo Nefiodow, der sechste Kondatrieff, 2001.

Gesundheit war immer wichtig – wenn sie fehlte

Gesundheit hat in den letzten Jahrzehnten – auch schon vor der Corona-Pandemie – eine wesentliche Bedeutung im gesellschaftlichen Bewusstsein bekommen. Aber meist nur dann, wenn sie fehlte.

Der Boom des Gesundheitssektors in der Wirtschaft war bestimmt vom Auftreten von Krankheiten. Die Medizinbranche lebt nicht von der Gesundheit der Menschen, sondern von ihrer Krankheit. Nahrungsergänzungsmittel wurden erst dann gekauft, wenn man ein Unwohlsein spürte. Ein rückengerechter Stuhl wurde im Büro erst nach Vorliegen eines ärztlichen Attests genehmigt. Ergonomische Möbel waren die Ausnahme, nicht die Regel. Vorbeugende Instandhaltung gab es nur bei Maschinen. Vorbeugen statt Heilen war immer nur ein frommer Wunsch von Idealisten oder eine geschickte Marketingstrategie.

Gesundheit ist nicht länger mehr ein individuelles Thema. Mit den Erkenntnissen der Corona-Pandemie wird Gesundheit betrachtet als elementare Bedingung der Lebensgrundlage.

Seit Ende des Industriezeitalters und dem Beginn des Wissenszeitalters hat sich Arbeit gewandelt, weg von körperlicher hin zu geistiger Arbeit. Nicht gewandelt haben sich die Ansätze und Methoden des Gesundheitsschutzes. Das führte dazu, dass psychische Erkrankungen rapide zunahmen. Der Mensch lernte nur schwer, die Belastungen der Wissens-Arbeit einzuschätzen. Ist der Muskel überfordert, bemerkt es der Mensch rechtzeitig und er legt eine Pause ein. Wenn der Geist überfordert ist, bemerkt es der Mensch erst zu spät.

Stress, Depression und Burnout sind die Folgen. Die direkten Kosten für psychische Erkrankungen lagen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen an zweiter Stelle und waren in den letzten Jahren mit 44,4 Milliarden Euro deutlich höher als die Kosten für Rücken- und andere Muskelerkrankungen mit 34,2 Milliarden Euro, die an vierter Stelle lagen (Statistisches Bundesamt, 2020).

Ohne Bewegung kein Gehirn

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) wird aber immer noch bestimmt von Gesetzen und Einstellungen aus dem vorletzten Jahrhundert, die Ausrichtung auf Ergonomie ist hoch. Körperliche Fitness steht im Vordergrund des Angebots.

Kirschblüten, Foto: Emma Boch
Foto: Emma K. Boch

Doch Bewegung wirkt sich nicht nur auf körperliche sondern auch auf geistige Funktionen aus. Neueste Erkenntnisse aus der Neurophysiologie bleiben noch weitgehend ungenutzt. Daniel Wolpert, Mediziner und Neurobiologe an der Columbia University, New York City, hat in einer aufsehenerregenden Studie 2014 die These aufgestellt, dass der einzige Grund, warum der Mensch ein Gehirn hat, die Bewegung ist.

Je mehr Bewegung in unterschiedlicher Umgebung der Mensch ausübt, desto mehr Informationen bekommt er und desto mehr Ideen hat er (nachzulesen in „Flexible Arbeitswelten, Arbeiten in Zeiten der Pandemie – zwischen Coworking und Homeoffice“).

Bewegung hilft also nicht nur den Körper fit zu halten, sondern macht auch produktiver, glücklicher und zufriedener, weil kreativer. Und das wiederum verhindert Stress, Depression und Burnout.

Die Kosten für das Verdauungssystems liegen mit 41,6 Milliarden Euro an dritter Stelle noch vor den Kosten für Rücken- und andere Muskelerkrankungen. Diese Erkrankung wird aber fast immer im Bereich privater Verantwortung gesehen. Nur ganz selten gibt es Hilfen, Ratschläge und Einrichtungen im Büro für Menschen mit Krankheiten des Verdauungssystems. Die Essenszubereitung in den Betriebsrestaurant müsste auch darauf hin abgestimmt werden.

Alles nichts ohne Gesundheit

„Bleiben Sie gesund“ – Um diesen Satz wird seit einem Jahr die Grußformel in Briefen und E-Mails ergänzt. Was ist neu, was ist anders geworden seit der Corona-Pandemie?

Gesundheit ist nicht länger mehr ein individuelles Thema. Mit den Erkenntnissen der Corona-Pandemie wird Gesundheit betrachtet als elementare Bedingung der Lebensgrundlage. Der Mensch achtet nicht mehr auf das Wohlbefinden und die Gesundheit einzelner seelischer oder körperlicher Funktionen, sondern alle Aktivitäten und Situationen werden auf ihre gesundheitliche Ausrichtung ausgerichtet bzw. überprüft.

Es werden nicht mehr einzelne Therapien verlangt, die lokal ansetzen, sondern umfassende und vorbeugende Maßnahmen. Nicht nur der Stuhl soll ergonomisch sein, sondern die gesamte Einrichtung des Büros. Nicht mehr Fitnesskurse nach Feierabend, sondern gesunderhaltende Arbeitsbedingungen jederzeit und überall sind gefragt. Das Leben in der Arbeit, egal wo sie stattfindet, soll gesunderhaltend sein, von der Bewegung bis hin zu einer stressfreien Unternehmenskultur.

Foto: Emma K. Boch

Auch das Konsumverhalten hat sich verändert, es wird Wert gelegt auf gesunde Ernährung, nicht nur gentechnikfrei, sondern auch umweltbewusst produziert. Nicht nur Bio, sondern vor allem auch regional und saisonal. Das Restaurant im Arbeitsbereich muss frisch zubereitete Speisen aus der Region anbieten, keine aufbereiteten Speisen, die eine halbe Weltreise hinter sich haben.

Das Arbeiten im Homeoffice führt auch dazu, dass nicht mehr unterschieden wird zwischen Arbeits- und Privatleben. Es wird vom Unternehmen kein betriebliches Gesundheitsmanagement mehr erwartet, sondern, dass es Hilfen gibt für das Leben. Flexible Arbeitszeitmodelle für Mobile Working, Hilfen bei der Kinderbetreuung, ein Familienservice, der Unterstützung in allen Lebenslagen anbietet u.v.m. helfen dem Mitarbeitenden in seinem Leben.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Artensterben und Klimawandel haben gezeigt, dass es um den Schutz der Natur für den Menschen, um den Erhalt seiner Gesundheit und Lebensgrundlagen geht.

Foto: Emma K. Boch

Laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes vom April 2021 sind mehr als drei Viertel aller Deutschen der Meinung, dass zu wenig für den Klimaschutz getan würde. Die Sorge um den Erhalt des Planeten steht gleichgewichtig neben der Angst vor dem Corona-Virus. Nachhaltigkeit ist also keine Leitlinie mehr für Klimaschutz, sondern für den Erhalt der Lebensgrundlage des Menschen. Nicht nur der „Betrieb“ des Büros soll nachhaltig sein (Energieverbrauch) sondern auch die Errichtung des Gebäudes.

Allein rund 50 Prozent des CO2-Ausstosses werden durch die Errichtung eines Gebäudes verursacht. Das Baumaterial Lehm könnte zukünftig als nachhaltige und umweltfreundliche Alternative für neue Bauten taugen, wie es der Alnatura-Campus in Darmstadt vormacht.

Aber schon die Nutzung von Homeoffice trägt dazu bei, unsere Lebensgrundlagen zu schützen, weil dadurch weniger Büroflächen gebraucht werden. Und selbstverständlich sollte die Einrichtung der Arbeitslandschaft im Home- und Businessoffice mit nachhaltigen Materialien ausgestattet sein.

Gesundheit hat höchste Priorität im (Arbeits-)Leben

Gesundheit und Wohlbefinden haben eine dominierende Bestimmung im Leben bekommen. Alles menschliche Denken und Handeln wird nach dem Aspekt „Gesundheit“ hinterfragt. Gesundheit ist das bestimmende Thema in allen Lebenslagen geworden. Die Ausrichtung auf gesundheitsorientierte Lebensführung, Ernährung und Arbeits- und Freizeitverhalten bestimmt unsere Entscheidungen.

Für das iafob deutschland stand schon immer bei all seinen Projekten die Gesundheit neben den Themenfeldern Führungs-/Unternehmenskultur und Gestaltung des Arbeitsraums im Vordergrund. Bisher mussten wir den Kunden von gesunderhaltenden Gestaltungsmaßnahmen überzeugen. In unserem jüngsten Projekt wurden Maßnahmen zur Gesunderhaltung nachgefragt. Der Wandel wird spürbar.


Über den Autor

Dieter Boch, Geschäftsführer iafob deutschland

Dieter Boch ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland) und Leiter des internationalen Flexible.Office.Network., einem überbetrieblichen Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zur BüroArbeitswelt von Morgen.

Als Dozent lehrte er an der Fachhochschule Salzburg und der Hochschule für Wirtschaft in Zürich Führungsverhalten und Future Work & Workplace Design.

Der Diplom-Psychologe ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und 
Mitherausgeber der Buchreihe „Flexible Arbeitswelten“. 

Multi-Space-Raumgestaltung: Zusammenfassung des f.o.n. connect vom 19. Januar 2021

Am 19. Januar 2021 fand unser f.o.n. connect zum Thema Multi-Space-Raumgestaltung statt. “Wie hat sich die Multi-Space-Raumgestaltung durch Corona verändert? Was wird bleiben, was wieder verschwinden?” waren zentrale Fragen, die diskutiert wurden. Wir fassen die Kernaussagen der Veranstaltung zusammen.

Die Ausgangslage

Die Gestaltung der „Büros“, der Businessoffices ist schon lange geprägt von Trends, die auch vor der Corona-Pandemie die Entwicklung bestimmten. Stefan Schütz von Création Baumann beschriebt die Ausgangslage folgendermaßen:

Die Corona-Pandemie hat den Menschen als Ziel- und Schwerpunkt der Gestaltung in den Vordergrund gestellt.  „Für mich als Unternehmer stehen Gesundheit und Wohlergehen unserer Mitarbeitenden an oberster Stelle, Daher haben auch wir die Bedingungen geschaffen, dass nahezu alle Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten können. Zeiten wie diese zwingen uns, zusammenzurücken, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen. Teil dessen ist es, an die Verantwortung für unsere Familien, unsere Mitarbeitenden, Freunde und an alle Mitmenschen zu denken. Und auch mal an die Natur, die uns zur Zeit zeigt, dass es nicht immer nur nach unseren Spielregeln geht.

Flori Schuster, Geschäftsführer von Sporthaus Schuster im Newsletter 04/20; nachzulesen in Flexible Office, Band 4, Kapitel 3: Keine Veränderung ohne Beachtung der Gesundheit.

Anforderungen an Büroflächen

Die Bürofläche, die Unternehmen zur Verfügung stellen, müssen drei Angebote machen:

  • in erster Linie ein Wohlbefinden (Well Being und Gesundheit) bieten
  • so attraktiv sein, dass der Mitarbeitende dorthin gern zur Arbeit geht
  • sozialen (Arbeits)Kontakt in angenehmer Atmosphäre ermöglichen
  • und eine weitere Bedingung erfüllen: Nachhaltigkeit

Stefan Schütz von Création Baumann fasste das so zusammen:

Stefan Camenzind Aussagen über Well-being am Arbeitsplatz

In diese Richtung geht auch das Ergebnis der Umfrage unter den Mitgliedern des flexible.office.network. (f.o.n.), die wir live durchführten. Mehr als 60 Prozent sagten, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen (Abstand, Hygiene, etc.) zur Eindämmung der Pandemie dauerhaft beibehalten werden.

Büros müssen attraktiver werden

Das Büro als Ort des Austauschs, der Ideenentwicklung und gegen die soziale Einsamkeit wird – erst recht nach einer erfolgreichen Impfkampagne – der zentrale Mittelpunkt des Arbeitslebens sein. Einzelarbeitsplätze (Deep Work) werden auch weiterhin im Büro vorhanden sein müssen. Aber Begegnungsflächen müssen attraktiv gestaltet und als Wohlfühloasen ausgelegt sein, so die einheitliche Meinung im f.o.n.

Die bisherige sterile Ausstattung vieler Büros (weiße Wände, keine Farben, einheitliche Ausstattung, „Krankenhausausstattung“, etc.) wird nicht mehr akzeptiert werden. Büros müssen nicht nur attraktiv sein, sondern auch das Image des Unternehmens wiedergeben.

Die Planungen für die Bürofläche müssen differenzierter werden, denn die Mitarbeitenden werden an bestimmten Tagen (Freitags, Montags) zuhause bleiben wollen. Annehmlichkeiten wie beispielsweise kostenloses Essen an Freitagen anzubieten wird sicherlich ein Angebot sein, aber es wird nicht genügen. Das Büro muss zu einem Ort werden, an dem man lebt.

Homeoffice wird sich weiter etablieren, Mitarbeitende werden ein Recht auf mobiles Arbeiten erhalte. Die Hälfte der Befragten sieht zukünftig Vorgaben, die Quoten für mobiles Arbeiten in Unternehmen je Funktion festlegen. Allerdings wird das nicht dazu führen, dass sich die benötigte Bürofläche um 50 Prozent reduziert. Aber immerhin ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass ca. 40 Prozent der Flächen wegfallen könnten.

Weitere Entwicklungen sind nachzulesen in: Flexible Office, Band 4, Kapitel 6 – Coworking und Kapitel 7 – Deep Work.

Weitere Punkte der Diskussion

  • sozialversicherungstechnische Regelungen für Mitarbeitende, die im Ausland arbeiten oder aus dem Ausland kommen
  • virtuelle Wohlfühlangebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit
  • Aufklärungsinformationen über gesunde Ernährung, Fitness, Resilienz

Das Thema “Gesundheit” wird beim nächsten f.o.n. connect am 23. Februar 2021 von 10:30 Uhr bis 12 Uhr fortgesetzt. Hier finden Sie weitere Infos zur Veranstaltung.

Wie Gesund-Erhaltung und Führung im Homeoffice und im Büro gelingen – Mehr als 130 Teilnehmer*innen bei der ersten virtuellen Jahrestagung des iafob deutschland

Wie können Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden bei mobilem Arbeiten fördern? Wie verändert sich Führung in Zeiten physischer Distanz? Welche Fähigkeiten sollten Führungskräfte von morgen für agile Arbeitsmethoden mitbringen? Und wie kann das Wohlergehen im Unternehmen und im Homeoffice dauerhaft gelingen? Diese und viele weitere Fragen diskutierten Expert*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft bei der diesjährigen Jahrestagung des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland). Zum ersten Mal fand die Konferenz als virtuelle Reise über vier Tage statt.

Mehr als 130 Interessierte aus Deutschland, Österreich, Luxemburg der Schweiz waren digital dabei, darunter 61 Prozent Frauen. 15 Referent*innen aus Universitäten, Instituten und Unternehmen – darunter zwei Drittel weiblich – teilten ihre Erfahrungen und diskutierten mit Führungskräften und Entscheider*innen. Unter dem Motto „Gesundes Arbeiten in Zeiten von Corona – im Homeoffice und im Business-Office“ konnten sich die Geschäftsführenden, Personalverantwortlichen, Facility Manager, Architekt*innen, Berater*innen und Wissenschaftler*innen auf Augenhöhe austauschen.

Unterstützt wurde die Jahrestagung von der Aeris GmbH, Création Baumann, Kinnarps, Nack Büroeinrichtungen GmbH und Wilkhahn.

„Die Corona-Krise macht vielen Menschen Angst. Aber Angst darf nicht unser Handeln bestimmen. Darum wollten wir den Teilnehmer*innen der Jahrestagung wertvolle Informationen und Anregungen, aber auch Zuversicht und Perspektiven geben, damit sie mit kraftvollen Impulsen in die neue Epoche der Lebens- und Arbeitswelt starten können“, beschreibt Dieter Boch, Geschäftsführer des iafob deutschland, das Ziel der Veranstaltung.

Psychisch und physisch gesund bleiben

Los ging es darum mit einem Vortrag zur Resilienz und der Frage, wie man trotz belastendem Stress psychisch gesund bleibt. Die Diplom-Psychologinnen Janne Brinkmann und Annegret Lohse stellten die sieben Säulen der resilienten Selbstführung vor und gaben mit vielen praktischen Übungen Einblicke darin, wie Resilienz aufgebaut werden kann. Ihre Aufforderung an die Teilnehmer*innen: „Heute ist der Tag, an dem sie sich stabilisieren, damit sie anschließend andere stabilisieren können.“

Prof. Kerstin Rieder, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Aalen und Leiterin des Kompetenzcenter Angewandte Gesundheitswissenschaften, sprach darüber, wie mobiles Arbeiten gesund gestaltet werden kann. Sie warnte davor, dass Arbeitnehmer*innen zunehmend einer „interessierten Selbstgefährdung“ ausgesetzt seien, nämlich dem Impuls, gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen, um Belastungen in der Arbeit bewältigen zu können. Dies führe zu „Präsentismus“: Obwohl man krank sei, arbeite man trotzdem. Gerade das Homeoffice führe zu zunehmender Entgrenzung der Arbeit: Es gibt keinen klar definierten Feierabend und die Arbeit ist immer präsent. Hier müssten Unternehmen nachsteuern und gemeinsam mit Mitarbeitenden und Führungskräften Regelungen für das mobile Arbeiten definieren, um dieser Belastung vorzubeugen.

Auch Arbeits- und Organisationspsychologin Eliane Obrist, die als Projektleiterin am iafob Zürich arbeitet, beschäftigte sich mit dem Thema Gesundheit. Sie stellte die Frage, wie gesund agiles Arbeiten sei und zeigte gesundheitliche Chancen und Risiken auf, die in agilen Settings für Mitarbeitende entstehen können. Ihr Fazit: Gerade in agilen Teams sei es wichtig, Zeitfenster für Reflexion zu nutzen und Teams zu sensibilisieren und weiterzubilden. Gerade Soft Skills seien in agilen Gruppen relevant, um durch gegenseitige Rücksichtnahme und Empathie gesundheitliche Risiken in selbstorganisierten Teams rechtzeitig zu bemerken.

Auch um die physische Gesundheit ging es auf der Jahrestagung des iafob deutschland. Josef Glöckl, Erfinder des Swopper und Gründer und Geschäftsführer der Aeris GmbH plädierte für mehr Bewegung im Büro. Ein „Aufstand gegen starres Sitzen“ würde uns allen helfen, unsere Leistungsfähigkeit zu steigern und lange gesund und beweglich zu bleiben. Aeris hat hierfür das Konzept des „Active Office“ erfunden, in dem man abwechselnd sitz und steht.

Leadership in neuen Settings

Unsere Arbeitswelt ist bestimmt von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität (unter „VUCA“ bekannt). Unter diesen Rahmenbedingungen verändert sich auch das Führungsverständnis. Prof. Sybillle Sachs, eine der Vorreiterinnen moderner Führung, Leiterin des Instituts für Strategisches Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich, beschrieb daher das Konzept der Ambidextrie, der Zweihändigkeit, die in Zukunft in der Leadership gefragt sei. Führungskräfte müssten einerseits Coach und Enabler sein, um ihre Mitarbeitenden zu unterstützen. Andererseits würden sie aber auch die Rolle als Follower annehmen müssen, wenn ein*e Mitarbeiter*in den Lead für ein Thema übernehme.

Was die VUCA-Welt ebenfalls erfordere: ein hohes Maß an Empathie. Jörg Rabe von Pappenheim, selbständiger Berater und ehemaliger Vorstand für Personal, Recht und Auslandsgeschäft der Datev eG., beschreibt Empathie als Kernkompetenz für Führungskräfte. „Empathiefähigkeit ist ein wichtiger Faktor, damit der Wandel gelingen kann“, so von Pappenheim. „Wir brauchen viel mehr Mitarbeitende, die eine Teamperspektive einnehmen und ein Commitment gegenüber dem Team, dem Unternehmen haben“. Dies entscheide über die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

Gestaltung von Homeoffice und Businessoffice

Neben der Gesundheit und dem Thema Leadership beschäftigte sich die Jahrestagung des iafob deutschland auch mit der Gestaltung von zukünftigen Arbeitsräumen.

Stefan Schütz von Création Baumann, einem Premium-Hersteller hochwertiger Stoffe und Systeme für die textile Inneneinrichtung, stellte Möglichkeiten vor, wie Unternehmen durch innovative Gestaltung und clevere Zonierung einen bestmöglichen Infektionsschutz sicherstellen können.

Prof. Hartmut Schulze von der Hochschule für Angewandte Psychologie an der Fachhochschule Nordwestschweiz betrachtete das Spannungsfeld zwischen Home- und Business-Office aus wissenschaftlicher Sicht. Anhand zahlreicher Studien erläuterte er, wie Unternehmen den passenden Mix zwischen mobilem Arbeiten und Präsenz schaffen können. Klar sei, dass es zukünftig beides geben werde: das Arbeiten von zu Hause und das Büro. Hierauf müssten sich sowohl Unternehmen als auch Büroplaner einstellen.

Dieser Meinung schlossen sich auch Annett Nack-Warenycia von Nack Büroeinrichtungen in Hamburg und Diana Rickwardt von der Feinbrand Agentur in Hamburg an: Hybrides Arbeiten werde zukünftig die Norm sein. Die beiden Change-Beraterinnen erläuterten, wie in diesen Settings New Work gelingen kann und wie unterschiedliche Menschentypen sich an den jeweiligen Arbeitsorten organisieren könnten, um gesunderhaltend zu arbeiten.

Flächen planen nach Corona

Welche Vorteile bringt das Büro zukünftig im Vergleich zum Homeoffice? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Flächenplaner*innen und Unternehmer*innen. Katja Koritz, Kathrin Rensch und Muhtesem Shirin vom Büromöbelhersteller Kinnarps stellten die Herausforderungen an neu zu planende Flächen und mögliche Lösungsansätze vor. Ihr Fazit: Das Büro steht zukünftig vor allem für Begegnung, Austausch, den sozialen Kontakt zu Kolleg*innen, Teamwork und die kreative Zusammenarbeit. Büroflächen sollten daher genau diese Funktionen bestmöglich abbilden, um attraktiv und nützlich zu bleiben. Zudem vollziehe sich durch ein vielfältig gestaltetes Raumangebot der Wandel von klassischen Arbeitsweisen hin zu New Work.

Auch Burkhard Remmers vom Büromöbelhersteller Wilkhahn beschäftigte sich mit der Frage nach dem Büro der Zukunft. Wilkhahn hat hierzu in mehrjähriger Projektarbeit ein neues Konzept entwickelt, das den Menschen im Mittelpunkt sieht.  Auf Basis internationaler Erfahrungen, vielfältiger Kundenprojekte und zahlloser Studien zu New Work entstand der „Human Centered Workplace“. Er nimmt vier Eckpunkte in den Blick: Kollaboration, Identität, Sinnstiftung sowie Gesundheit und Wohlbefinden.

Vier Tage intensives Tagungsprogramm – die Jahrestagung des iafob deutschland bot auch 2020 vielfältige Themen und anregende Vorträge. Mit viel Lob ging das Event am vergangenen Freitag zu Ende und kehrt im kommenden Jahr zurück – dann hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung oder in hybrider Form.

Quo vadis, Office? Ein Kompass für die Post-Corona-Zeit

Human Centered Workspace Wilkhahn

Der Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie hat die Entwicklungen der Büroarbeitsformen enorm beschleunigt, komplexer und damit schwerer vorhersehbar gemacht. Weil jetzt viele richtungsweisende Entscheidungen anstehen, müssen die Grundlagen für zukunftssichere Konzepte ins Blickfeld rücken.

Durch Corona ist das kontrovers diskutierte Thema „Mobiles Arbeiten“ über Nacht zu einer etablierten Option geworden. Zur Überraschung Vieler hat dies gut funktioniert, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Weil zudem erheblich in die digitale Infrastruktur für „Mobile Work“ investiert wurde und die Sparpotenzial bei Büroflächen verlockend erscheinen, stellt sich die Grundsatzfrage, ob wir überhaupt noch Büros brauchen.

„Den Betrieb aufrechterhalten“ trifft es jedoch ziemlich genau. Denn selbst im perfekt ausgestatteten Homeoffice bleibt alles auf der Strecke, was für die anstehenden Veränderungs- und Transformationsprozesse besonders wichtig ist: Teamgeist, Spontaneität, ungeplanter Austausch und die zufälligen Begegnungen, die für Kreativität, Innovationen und den Abgleich der Unternehmensleistungen mit der Lebenswirklichkeit fundamental sind!  Was bedeutet das für zukunftsfähige Bürokonzepte?

Wilkhahn Foyer Human Centered Workspace
Das öffentlich zugängliche Foyer verbindet den Unternehmens- mit dem Stadtraum. Dahinter steht die Idee, die Unternehmensleistungen durch die Belegschaft immer wieder dem Realitäts-Check mit der Außenwelt zu unterziehen. Konzeption und Planung: 1zu33, Abb. Wilkhahn.

Menschliche Zusammenarbeit im Fokus

Gerade in der Vergleichbarkeit einer digitalisierten Welt rücken die Menschen und ihre Zusammenarbeit ins Zentrum der Wettbewerbsfähigkeit. Mitarbeitergewinnung und -bindung, Innovationskraft und Veränderungsfähigkeit erfordern deshalb die richtigen Bürolösungen, damit sie zu bevorzugten Arbeitsplatzoptionen zu werden. Was aber heißt richtig?

Der für maßgebliche Innovationen vielfach ausgezeichnete Büromöbelhersteller Wilkhahn hat sich darum verdient gemacht, die gemeinsamen Fragestellungen aus jahrzehntelangen, internationalen Erfahrungen, vielfältigen Kundenprojekten und zahllosen Studien zur „New Work“ herauszuarbeiten: Wie kann durch die Gestaltung der Bürowelt die Attraktivität für die gesuchten Talente und Fachkräfte erhöht werden? Wie lassen sich Innovationskraft und Veränderungsfähigkeit stärken? Wie sind Gesundheit und Arbeitsfähigkeit langfristig zu erhalten? Und nicht zuletzt: Wie können die ökonomischen Zielsetzungen erreicht und gleichzeitig Sinnstiftung für die Folgegeneration vermittelt werden?  

“Bei Gesundheit und Wohlbefinden geht es um den Einzelnen ebenso wie um die soziale Gemeinschaft, um die Sichtbarkeit der Markenwerte ebenso wie um die Verankerung nachhaltiger Lebensstile in der Unternehmensvision.”

Vier Eckpunkte der Performance im Blick

Im Konzept „Human Centered Workplace“ verschiebt sich die kosten- zu einer performanceorientierten Bewertung der daraus abgeleiteten vier Eckpunkte. So geht die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden über aktuelle Fragen nach Infektionsschutz, Hygiene und Störfaktoren hinaus. Bewegungsförderung zur Stärkung des Immunsystems ist ebenso wichtig wie Wertschätzung, Selbstbestimmung und Beteiligung.

Wer Kollaboration wirklich fördern will, muss die unterschiedlichen Formen und Phasen der Zusammenarbeit durch entsprechend differenzierte Raumangebote und Einrichtungslösungen unterstützen. Die Identität im Erscheinungsbild eines Unternehmens erfordert statt einer oft beliebigen Vielfalt Gestaltungskonzepte, die jenseits schnelllebiger Trends durchgängig Klarheit und Orientierung vermitteln. Und die Mitwirkungsmöglichkeiten an einer Sinnstiftung, die über bloße Profitabilität hinausgeht, bietet das wohl größte Potenzial, um Attraktivität, Motivation, Loyalität und Engagement der Belegschaften zu erhöhen.

Konzept Human Centered Workspace Wilkhahn
Der Human Centered Workplace von Wilkhahn funktioniert als Tool wie eine dreidimensionale Balanced Score Card zur Gestaltung der Arbeitswelten.

Einfaches Komplexitätsmanagement

Weil sich die unterschiedlichen Dimensionen immer wechselseitig beeinflussen, sollte vor einer Neugestaltung ein gemeinsames Verständnis zu den Eckpunkten erarbeitet werden. Bei Gesundheit und Wohlbefinden beispielsweise geht es um den Einzelnen ebenso wie um die soziale Gemeinschaft, um die Sichtbarkeit der Markenwerte ebenso wie um die Verankerung nachhaltiger Lebensstile in der Unternehmensvision. Ist das erfolgt, lässt sich der Human Centered Workplace als einfaches Tool nutzen, um jede Richtungsentscheidung in ihren Auswirkungen auf das Ganze zu überprüfen. So werden mögliche Synergien deutlich und ungewollte Kollateralschäden wirksam vermieden.

Flexibler Arbeitsbereich Wilkhahn
Flexibilität und Selbstorganisation sind auch in den flexiblen Arbeitsbereichen eng verbunden. Die Möbel lassen sich wie „Tools“ ganz nach Bedarf für die benötigten Settings selbst zusammenstellen. Das senkt Kosten, schont Ressourcen, erhöht die agile Zusammenarbeit und erleichtert die Mitarbeit an den Unternehmenszielen. Konzeption und Planung: 1zu33, Abb. Wilkhahn.  

Beispielhafte Visualisierungen

Um konkrete Vorstellungen darübers zu vermitteln, wie eine solche Arbeitswelt aussehen kann, entwickelte Wilkhahn in enger Zusammenarbeit mit dem Münchener Studio 1zu33 für ein fiktives Unternehmen ein virtuelles Gebäude. Weil auch der Standort zukünftig an Bedeutung gewinnt, ist es im Quartier Nordhafen in Kopenhagen angesiedelt, das als Labor für eine attraktive und pulsierende Verbindung von Wohnen und Arbeiten gilt.  Anhand von zehn beispielhaften Szenarien zu den Kernfunktionen „Work“, „Meet“, „Innovation“, „Community“ und „Learn“ wird das Zusammenspiel der Dimensionen konkret veranschaulicht.

Wilkhahn gelingt damit die Verbindung von einem einfachen Kompass, der hilft, im Dschungel der Komplexität und des Unwägbaren auf Kurs zu bleiben, mit der Vision einer Arbeitswelt, in der auch noch übermorgen gerne und gut gearbeitet wird. 

Die reich bebilderte Broschüre und weitere Informationen sind kostenfrei über die Website erhältlich: www.wilkhahn.com  

Über den Autor

Burkhard Remmers, Wilkhahn

Burkhard Remmers, studierter Germanist und Historiker, verantwortet seit 1995 bei Wilkhahn den Bereich Internationale Kommunikation und Public Relations.

Der Büromöbelhersteller erhielt nicht nur hochrangige internationale Designpreise sondern wurde bereits 1996 mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Als Autor zahlreicher internationaler Fachpublikationen, Buchbeiträge und Vorträge gilt Burkhard Remmers als Experte für die Zusammenhänge von Architektur, Kommunikation, Ergonomie und Design im Kontext zukunftsfähiger Office-Konzepte.

Wie sich das Homeoffice auf die Gesundheit auswirkt und welche Rolle der Bürostuhl spielt

Aeris Swopper Bürostuhl

Aufgrund von Corona ist die Zahl der Homeworker*innen in den letzten Monaten stark angestiegen. Während in „normalen“ Zeiten ca. zwölf Prozent der Erwerbstätigen von zu Hause arbeiten, saß während des Lockdowns fast jede/r Zweite daheim am Schreibtisch. Das Thema Homeoffice wird auch in Zukunft als alternatives Arbeitsmodell eine große Rolle spielen. Denn viele Unternehmen haben gesehen, dass es zahlreiche Vorteile bietet.

So arbeiten Heimarbeiter*innen im Schnitt effektiver als Büroarbeiter*innen. Arbeitswege werden gespart und trotz Mehrarbeit sind die Mitarbeiter*innen in Summe zufriedener. Das Gefühl, selbst darüber zu entscheiden, wann und wo man arbeitet, motiviert.

Auf der anderen Seite stehen die Schwächen des Home-Offices, wie beispielsweise die gesundheitlichen Risiken. Oft fühlt man sich nach einem Arbeitstag im Home-Office ausgelaugt, energielos und der Rücken schmerzt. Warum ist das so?

Bewegungsmangel im Home-Office

Das Arbeiten im Home-Office kam für viele überraschend. Es musste schnell reagiert werden. Der Arbeitsplatz zuhause ist bei den meisten nicht für ein längeres Arbeiten ausgestattet. So muss meist der Küchen- oder Esszimmerstuhl als Bürostuhl herhalten. Oder es wird sich zwischendurch mit dem Laptop auf die Couch oder das Bett gelümmelt.

Für das starre Rumsitzen auf einem Küchenstuhl oder das Arbeiten auf der Couch ist der menschliche Körper aber nicht gemacht. Der Bewegungsmangel, der dadurch entsteht, ist schädlich und raubt uns bereits nach kurzer Zeit Konzentration und Energie. Da hilft auch die ein oder andere Joggingrunde oder Yogastunde am Abend nicht mehr. Das ist bloß der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Der Mensch will und muss sich bewegen, um gesund zu bleiben und dies am besten kontinuierlich.

Der Swopper von Aeris ist der weltweit erste dreidimensional bewegliche Bürostuhl. Foto: Aeris GmbH/ Johannes Rodach

Bürostuhl – das zentrale Element im Home-Office

Aber was kann man gegen den Bewegungsmangel im Home-Office tun? Ganz einfach: Auf die richtige Einrichtung des Arbeitsplatzes zuhause achten, insbesondere auf den Stuhl, auf dem man acht bis neun Stunden am Tag sitzt. Er ist das zentrale Element. So sollte ein Bürostuhl möglichst uneingeschränkte Bewegung zulassen – in allen drei Dimensionen. Also vor und zurück, nach links und rechts und in die dritte Dimension, nämlich auf und ab. Dadurch hält man den Körper den ganzen Tag in Bewegung, ohne zusätzlichen Zeitaufwand und Motivation – ganz nebenbei beim Sitzen. Man braucht man also kein Laufband unter dem Tisch oder einen Mini Coach im Ohr. Man kann einfach ganz normal arbeiten.

Das aktive Sitzen wirkt sich auf den Körper ähnlich aus wie lockeres Gehen. Die Muskulatur wird konstant trainiert und alle Organe – auch das Gehirn – werden besser versorgt. Und das wie von selbst, ohne dass wir dafür aktiv etwas tun müssen. So entsteht ein völlig neues Lebensgefühl mit weniger Müdigkeit sowie mehr Energie und Lebensqualität. Es lohnt sich also, in den richtigen Bürostuhl zu investieren.

Kleiner Tipp: Bürostühle können bis zu 800 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Zudem bezuschussen derzeit viele Unternehmen die Einrichtung von Home-Arbeitsplätzen.

Über den Autor

Josef Glöckl, Gründer und CEO der Aeris GmbH

Josef Glöckl ist Gründer und CEO der Firma Aeris GmbH. Der Antrieb des Wirtschaftsingenieurs besteht seit über 20 Jahren darin, Produkte und Konzepte für den Office- und Homebereich zu entwickeln, die den Körper den ganzen Tag in Bewegung halten und damit einen aktiven und gesunden Lebensstil ermöglichen. Mit dem Aeris Swopper – dem weltweit ersten dreidimensional beweglichen Stuhl – hat Josef Glöckl das Sitzen revolutioniert. 2014 veröffentlichte er das Buch „Active Office, Der Arbeitsplatz als Bewegungsraum“.

iafob-Umfrage: Krise im Global Village – Wie (re)agieren Unternehmen auf Corona

Maske tragen im Unternehmen

Das Corona-Virus hat Wirtschaft und Gesellschaft weltweit zum Stillstand gebracht. Langsam treten die ersten Lockerungen in Kraft. Doch welche Maßnahmen treffen Unternehmen zum Infektionsschutz? Wie gehen sie mit Remote Work und Home Office um? Und was tun Firmen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden nachhaltig zu fördern? Wir wollten es genauer wissen und haben Unternehmen hierzu befragt.

Eines vorneweg: Wir haben die Unternehmen gleich zwei Mal befragt. Einmal im März, als der Lockdown begann (16 befragte Unternehmen) und ein weiteres Mal Anfang Juni, als immer mehr Lockerungsmaßnahmen in Kraft traten (36 befragte Unternehmen). Dies gab uns die Möglichkeit, Besonderheiten im Verlauf herauszuarbeiten.

Maßnahmen ja – Investitionen nein

Alle von uns befragten Unternehmen haben sofort zu Beginn der Corona-Pandemie ihre vorhandenen Maßnahmen eingesetzt und erweitert. Allerdings sind in nur wenigen Firmen Maßnahmen geplant, die eine größere Investition erfordern. In allen Unternehmen gab es keine abwartende Haltung. In einigen wurde eine Task Force gebildet.

Gesundheit ist für den Einzelnen wichtiger geworden. Drei Monate Pandemie führten zu einer höheren Sensibilisierung der Mitarbeitenden für die Gesundheit.

Beim Infektionsschutz ergaben sich keine Änderungen der Einschätzung im März zu der im Juni. Die Annahme, dass Remote Work zukünftig stärker in den Fokus rückt, vergrößerte sich im Juni. Gesundheit ist für den Einzelnen wichtiger geworden, das sagten im Juni zwei Drittel, im März nur die Hälfte der Befragten. Drei Monate Pandemie führte zudem zu einer höheren Sensibilität des Mitarbeitenden für die Gesundheit. Nur die Hälfte glaubt in beiden Befragungen, dass sich am Stellenwert der Gesundheitsvorsorge in Unternehmen etwas ändern wird.

Maßnahmen zum Infektionsschutz

Bei der überwiegenden Zahl der Unternehmen müssen die Türen noch per Hand geöffnet werden. Ausnahme: die Tür am Gebäudeeingang. Die Tür zum Waschraum ist in allen Befragungen mit Hand zu öffnen. Nur zwei Unternehmen wollen hier sofortige oder langfristig Maßnahmen ergreifen.

In den meisten Unternehmen gibt es keine berührungslosen Armaturen, Seifenspender etc. im Waschraum. Es wurden aber sofort berührungslose Desinfektionsspender bzw. Desinfektionstücher an den Waschraum- und Eingangstüren installiert bzw. sind geplant. Fast überall bekam der Facility-Management-Dienstleister den Auftrag, Türklinken, Haltegriffe, Wasserhähne, Toilettenspülungen, Geldautomaten etc. mehrmals täglich zu reinigen und zu desinfizieren. Tipps für „richtiges Händewaschen“ sowie Hygienetipps im Intranet waren fast überall schon vorher vorhanden.

Gewinner des Lockdowns: Remote Work

In den meisten Unternehmen gehörte Homeoffice auch schon vor Corona zur Arbeitskultur. Nur drei Unternehmen führten Homeoffice erstmalig ein. Lediglich jedes zweite Unternehmen händigte den Mitarbeitenden „Tipps und Spielregeln bei Homeworking“ aus.

Fast alle Unternehmen sind überzeugt, dass Remote Work auch nach Ende der Pandemie-Einschränkungen viel stärker genutzt werden wird als vorher, wobei sich diese Einschätzung bei der zweiten Befragung verstärkt hat. Mitarbeitende, die Homeoffice erstmalig in Anspruch genommen haben, empfinden diese Arbeitsform als positiv und werden sie beibehalten bzw. einfordern. Diejenigen, die Homeoffice schon kannten, werden es gezielter nutzen.

Auch die verstärkte Nutzung von Videokonferenzen wird nach Überzeugung fast aller Befragten beibehalten werden. Geschäftsreisen werden durch die Unterscheidung nach Art der Meetings abnehmen. Außerdem glaubt die Mehrheit der Befragten, dass Webinare zukünftig einen Teil der stationären Weiterbildungsangebote ersetzen.

Gesundheitsförderung und Gestaltung der Büros unverändert

Beim Blick auf die Gesundheit ergibt sich eine deutliche Veränderung von der ersten zur zweiten Befragung. Die individuelle Beachtung der Gesundheit nimmt zu. Im Juni hat sie einen höheren Stellenwert. Drei Monate Pandemie haben zu einer höheren Sensibilität der Mitarbeitenden für die Gesundheit geführt.

Allerdings glaubt nur die Hälfte in beiden Befragungen, dass sich am Stellenwert der Gesundheitsvorsorge in Unternehmen etwas ändern wird. Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist auch der Meinung, dass die Gestaltung der BüroArbeitsräume sich nicht nachhaltig verändern wird.

Knapp die Hälfte gibt an, dass Gesundheitsangebote zum Abbau von Stress offeriert werden, der durch die fehlende soziale Interaktion während der Kontaktbeschränkungen entstehen kann.

Unser Fazit:

Unternehmen haben zügig auf die von der Bundesregierung verordneten Einschränkungen reagiert. Schnell umsetzbare und kostenneutrale Maßnahmen wie Homeoffice, die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln oder eine stärkere Beachtung von Hygieneregeln wurden in kürzester Zeit implementiert. Investitionen in bspw. automatische Türöffner werden derzeit aber noch gescheut.

Langfristige Auswirkungen der Corona-Pandemie sind vor allem im Bereich Homeoffice spürbar. Das Arbeiten von zuhause soll in den meisten Unternehmen ausgeweitet werden und wurde insgesamt als positiv beurteilt. Ob auch die Gesundheitsförderung langfristig von der Krise profitiert, ist noch nicht abschätzbar.

Unternehmen bemühen sich also darum, durch kurzfristig umsetzbare Maßnahmen den Betrieb bestmöglich aufrecht zu erhalten. Wieviele der Errungenschaften es tatsächlich in eine “neue Normalität” schaffen, wird die Zeit zeigen.

Sie möchten noch tiefer in die Ergebnisse einsteigen? Hier können Sie den Bericht zur Umfrage herunterladen.

Die Rückreise ins Büro – Wie GEHALT.de Mitarbeiter*innen nach Corona willkommen heißt

Bordkarte #BackToOffice Gastbeitrag iafob Deutschland

„Please prepare for landing“ – lediglich diese Ansage eines Piloten schallte nicht über die Büroflure von GEHALT.de. Ansonsten hat das Team des Gehaltsportals an fast jedes Detail einer Flugreise gedacht. Unter dem Motto #BackToOffice begrüßte das Hamburger Unternehmen seine Mitarbeiter*innen im Flughafenstil zurück am Arbeitsplatz. Mit der internen Kampagne rund um den „Anflug auf das Büro“ wurden die so wichtigen Rahmenbedingungen und Regeln für den neuen Arbeitsalltag in spielerische Kommunikationsmaßnahmen verpackt.

Plötzlich war sie da: Die Welle, die wir so lange auf uns zukommen sahen. Es war März, als das Corona-Virus sich von einer weit weg geglaubten Nachricht zur spürbaren Realität entwickelte. In der Arbeitswelt waren es die Tage, als aus Küchen- und Wohnzimmertischen Arbeitsplätze und aus Kinder- oder Schlafzimmern improvisierte Büros wurden. Überall dort, wo es möglich war, zogen Arbeitnehmer*innen in diesen turbulenten Tagen fast fluchtartig vom gewohnten Arbeitsumfeld ins Homeoffice um.

Fast drei Monate und viele Herausforderungen, Veränderungen und Wochen des Verzichts später lässt es die Infektionslage zu, dass immer mehr Menschen an den Arbeitsplatz zurückkehren können. Wie so oft in den heutigen Tagen wird dann erstmal vieles anders sein. Es ist nicht etwa die Rückkehr zum alten Alltag – es ist die Rückkehr in eine neue, andere Welt. Das gilt auch für die Arbeit im Büro.

Sitzplatzwechsel und Hygieneregeln als größte Herausforderung

Zusätzliche Ungewissheit, unklare Regeln und Komplikationen können wir Menschen bereits unter normalen Umständen nicht gebrauchen. Momentan, in Zeiten der Krise, aber noch viel weniger als sonst. Umso wichtiger ist eine exakte und trotzdem leicht verdauliche interne Kommunikation rund um Verhaltensregeln im neuen Arbeitsalltag. Wie aber erklären wir Mitarbeiter*innen die stufenweise Rückkehr? Wie kommunizieren wir Hygienekonzept, neue Sitzordnung und wechselnde Dienstschichten? Wie kann ich als Arbeitgeber aus diesen Herausforderungen auch eine Chance machen?

Hygieneregeln Corona #BackToOffice iafob Deutschland
Neue Verhaltensregeln und ein ausgeklügeltes Hygienekonzept gehören nun zum Corona-Arbeitsalltag bei Gehalt.de. Foto: Gehalt.de

Diese und viele weitere Fragen stellten wir uns bei GEHALT.de. Wir suchten Parallelen zum Alltag. Wo sonst halten wir uns strikt an Regeln, sehen darin aber auch gleichzeitig einen Mehrwert? Beim Brettspiel? Ja, aber das Thema ist ZU verspielt. Im Straßenverkehr? Ja, aber Verkehrsschilder sind doch out. Am Flughafen, bei einer Reise? Treffer!

Die Zielsetzung war somit klar. Mit Hilfe des Flughafen- und Reise-Mottos sorgen wir für Verstehen und Verständnis von und für neue Sicherheitsvorkehrungen im Büroalltag. Wir schaffen Orientierung – etwa hinsichtlich neuer Raumaufteilungen und Abstandsregeln. Und wir sorgen für Spaß und Motivation. Trotz Veränderungen und Einschränkungen.

Der Rückflug an den Schreibtisch

Binnen weniger Tage entstanden individualisierte Boardkarten mit Angaben zum Sitzplatz, zum empfohlenen Eingang im Büro sowie zum „Abflug“-Datum für alle der fast 70 Mitarbeiter*innen. Die aus der Rückenlehne des Vordersitzes bekannte Security Card funktionierten wir um und hielten unsere wichtigsten Regeln an Bord im ähnlichen Stil fest.

Kurze Texte, präzise Visualisierungen und mit Kontaktdaten zu unseren Lots*innen für den Notfall. Dazu finden alle Kolleg*innen an ihrem ersten Arbeitstag das Handgepäck auf ihrem Schreibtisch. Inklusive Alltagsmasken, Willkommen-zurück-Gruß von der Geschäftsleitung und Nervennahrung.

Neu war auch das Leitsystem im Büro. Die Arbeitsbereiche wurden in Gates umgetauft und ein Leitsystem führte alle zu ihren neuen Plätzen. Natürlich durfte auch eine Begrüßung im Flughafenstil nicht fehlen. Selbstgemalte Pappschilder und Luftballons schmückten die Büroeingänge. Spätestens DAS Erfrischungsgetränk der Lüfte, der obligatorische Tomatensaft, rundete unser Motto ab. 

Handgepäck #BackToOffice Gastbeitrag iafob deutschland
Mit Handgepäck und Bordkarte “flogen” die Mitarbeiter*innen ins Büro zurück. Foto: Gehalt.de

Mit wenig Budget, viel Herzblut und Kreativität begleitet #BackToOffice also die stufenweise Rückkehr ins Büro. Die Kampagne sorgt seitdem für eine sichere Landung im neuen Alltag und – wie nach einer sanften Landung so üblich – bei vielen Mitarbeiter*innen auch für ein entspanntes Lächeln.

Über den Autor

Nick Marten Gastbeitrag iafob deutschland

Nick Marten (32) ist Head of Public Relations bei GEHALT.de, dem führenden Gehaltsportal in Deutschland. Zuvor war er Pressesprecher beim Onlinehändler OTTO. Der gebürtige Westfale begann 2004 seine berufliche Laufbahn als freier Redakteur bei der Tageszeitung Westfalenpost. Im Anschluss arbeitete er vier Jahre als freier Reporter für das NRW-Lokalradio. Vor und während des Studiums der Medienwissenschaft folgten weitere Stationen bei Hörfunk und Fernsehen (u.a. WDR, n-tv). Nach dem Studium absolvierte Nick Marten sein Volontariat in unterschiedlichen Kommunikationsteams der Otto Group und war 2016 Teilnehmer der PR-Nachwuchsinitiative #30u30.