Wieviel Büro braucht die Arbeit?

Wieviel Büro braucht die Arbeit?

Wie groß muss die Bürofläche sein? Brauchen wir noch (Akten)schränke? Ersetzen Videokonferenzen die Präsenzmeetings? Werden noch Gemeinschafts- und Sozialräume benötigt? Ist das Betriebsrestaurant noch zeitgemäß? Wird ein Büro überhaupt noch gebraucht, wenn jeder im Homeoffice arbeiten kann, wann er will? Werden die Veränderungen aus der Pandemie dauerhaft bleiben?

Diese und andere Fragen werden heute häufig gestellt.

Alle, die sich in den vergangenen Jahren mit New Work beschäftigt haben, wissen, dass flexibles Arbeiten aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse viel umfassender gesehen werden muss, als das bisher geschah. Die Coronakrise ist ein Einschnitt, der die Chance bietet, bisherige Erkenntnisse zur Arbeitswelt mit mehr Bewusstsein einzuordnen.

iafob deutschland hat im Frühjahr 2021 ein Projekt durchgeführt, das Lösungen aufzeigt, wie die strategischen Überlegungen von New Work und die Erfahrungen aus der Corona-Krise umgesetzt werden können.

Dafür begleitete iafob deutschland Mitarbeitende und Management der Georg Thieme Verlag KG in Stuttgart beim Prozess der Entwicklung eines neuen Arbeitsmodells. Erkenntnisse der vergangenen Jahre zu New Work waren die Basis für eine Veränderung der Arbeitswelt. Erfahrungen aus der Pandemie wurden in das Arbeitsmodell integriert. Der Thieme-Verlag verändert nun den Blick auf die Arbeit.

BüroArbeitsmodell: New Work@Thieme

Ein neues Arbeitsmodell ist nicht die Veränderung der Arbeitsumgebung, sondern eine neue Geografie und Dynamik der Arbeit. Die Herangehensweise von iafob deutschland setzt deshalb tiefer in der Struktur der Arbeitswelt an.

Dazu gehören auf der Unternehmensseite Fragen nach den Arbeitsprozessen, der Kommunikations- und Führungskultur und auf der Seite der Mitarbeitenden Fragen nach ihren Bedürfnissen und die Erfüllung der Werte des gesellschaftlichen Wandels.

Wir gingen dabei von der Hypothese aus, dass die Pandemie einen unumkehrbaren Einfluss darauf haben wird, wie wir zukünftig arbeiten und leben werden. Es wird kein „Zurück zur alten Normalität“ geben. Die zukünftige Arbeitswelt wird durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und einem Streben nach Gesundheit sowie einer Balance der Lebensbereiche für jeden Einzelnen geprägt sein.

Befragungen und Interviews mit Geschäftsführung und Führungskräften über die strategischen Ziele des Unternehmens wurden virtuell durchgeführt.  Die Interessen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden wurden online abgefragt.

Darauf aufbauend entwickelten wir ein Arbeitsmodell mit folgenden Kernpunkten:

  • Arbeitsprozesse werden dort wahrgenommen, wo die Bedingungen es am besten erlauben. Homeoffice ist keine temporäre Lösung, sondern wird fester Bestandteil des Arbeitsmodells.
  • Eigenorganisation und Selbständigkeit der Teams bestimmen den Arbeitsablauf.
  • Die Führungskultur fördert Gesundheit und Wohlbefinden ebenso wie Sinnhaftigkeit der Arbeit und Ansporn zur Leistung.
Wieviel Platz brauchen wir im Büro?
Wieviel Platz benötigen Mitarbeitende im Büro? Welche Art von Arbeitsflächen sind notwendig? Das ermittelte iafob deutschland im Rahmen des Projekts “New Work @Thieme” für den Thieme Verlag in Stuttgart. Foto: Laura Davidson

Anforderungen an die BüroArbeitsfläche

Für die Außenstelle der Unternehmenszentrale sollten aufbauend auf den Leitlinien des Arbeitsmodells die Büros umgestaltet werden.

Es wurde ein „Bürokonzept“ erstellt, das den Zielsetzungen von New Work entspricht und die Erfahrungen sowie besonderen Bedingungen seit der SARS-CoV-2-Pandemie, berücksichtigt. Zum Zeitpunkt der Untersuchung arbeiteten fast alle Mitarbeitenden schon überwiegend im Homeoffice, sodass deren Vorstellung über Remote Work schon auf monatelanger Erfahrung basierte.

Ziel war es, dass die Bürofläche, die das Unternehmen den Mitarbeitenden zur Verfügung stellt,

  • so attraktiv ist, dass die Mitarbeitenden dorthin gern zur Arbeit gehen und einen sozialen (Arbeits-)Kontakt in angenehmer Atmosphäre ermöglicht
  • ein Wohlfühlen erzeugt (Well Being), Gesundheitsanreize bietet und mit nachhaltigen Materialien ausgestattet und betrieben werden kann

Das Büro sollte dabei zur Unternehmensheimat, zum Ort des gemeinsamen Austauschs, zur Identitätsbildung, der Inspiration aber auch der Fokussierung werden.

Für drei Szenarien wurde ein Konzept für die Bürofläche entwickelt: erstens bei einer Anwesenheitsquote von ca. 30 Prozent zweitens bei ca. 50 Prozent und drittens bei ca. 70 Prozent.

Konzeption der BüroArbeitsfläche

Es wird eine Fläche geschaffen, die für verschiedene Anforderungen gleichzeitig nutzbar ist. Die Büroflächen setzen sich zusammen aus Arbeitsplätzen sowie Rückzugs- und Begegnungsflächen. Einzelarbeit kann auf dieser Fläche genauso stattfinden wie Gespräche und Besprechungen.

Dazu wird die Fläche mit Einrichtungen ausgestattet, die leicht umzustellen und die leicht durch die Mitarbeitenden ohne fremde Hilfe zu verändern sind. Dabei erlernen und erleben die Mitarbeitenden agile Arbeitsmethoden und kulturelle Veränderungen; ihr Teambewusstsein wird gefördert.

Sozialer Kontakt und Attraktivität

  • Die BüroArbeitsflächen sind offene, non-territoriale Flächen. Es gibt keine fest zugeordneten Arbeitsplätze. Ausnahmen: Funktionen, deren Prozesse ortsgebunden sind. Die Fläche soll durch eine modulare Raumstruktur und Einrichtung ein Maximum an Flexibilität ermöglichen.
  • Die bisherigen Büroflächen entwickeln sich zu Begegnungs- und Besprechungsräumen. Sie werden Dreh- und Angelpunkt, an dem die Mitarbeitenden zusammenkommen, um kreativ zu sein, gemeinsam Ideen zu entwickeln, Aufgaben zu lösen und Entscheidungen zu bearbeiten. Zugleich soll es auch ein Ort sein, wo sie sich wohlfühlen, der ein emotionales Bindeglied zum Unternehmen (Identifikation) darstellt und Wissensvermittlung bietet.
  • Die Benutzer können ihre Arbeitsumgebung mit- und umgestalten. Vorschläge zur Farbgestaltung und „wohnliche“ Accessoires können von den Mitarbeitenden eingebracht werden. Die Mitgestaltung stellt den Erfolg des Arbeitsmodells sicher.
    Veränderungen in der Raumgestaltung sind ohne Serviceleistung möglich. Zusammenlegen oder trennen von „Räumen“ geschieht möglichst durch Trennvorhänge anstelle fester Trennwände. Sie sind flexibler und sorgen für ein besseres Raumgefühl.
    Für Kommunikation und Wissenstransfer benötigt die Fläche eine optimale technisch-innovative Ausstattung und ein kreativitätsförderndes und sich mit dem Unternehmen identifizierendes Ambiente. Eine mediale Ausstattung, die auch hybrid arbeitende Teams (Homeoffice und Büro) unterstützt, sollte vorhanden sein.
  • Homeoffice, d.h. nicht im Büro getätigte Arbeit, wird nach Abklingen der Corona-Pandemie abnehmen, aber als wesentlicher Anteil bestehen bleiben.
    Konzentrierte Einzelarbeit wird vorwiegend im Homeoffice erledigt. Eine Faustformel, „Arbeitsplatz für konzentriertes, fokussiertes Arbeiten“ = Homeoffice, „Begegnungs- und Besprechungsräume für Ideenaustausch und Zusammenarbeit“ = BüroArbeitsfläche, gibt es aber nicht. Auch wenn Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, vorwiegend im Homeoffice erledigt werden, so fallen Arbeitsplätze für fokussiertes und konzentriertes Arbeiten im Businessoffice nicht ganz weg; ein Rückzugsort, um Ideen allein zu verarbeiten, bleibt notwendig.
Bei Thieme können Mitarbeitende ihre Arbeitsumgebung selbst mitgestalten und beispielsweise eigene wohnliche Accessoires mitbringen.

Well-Being und Nachhaltigkeit

  • Bei alternativen Möglichkeiten der Raumgestaltung wird die Alternative gewählt, die das Ziel der Gesundheitserhaltung und -förderung erfüllt. Bei der Planung der benötigten Arbeitsfläche wurde der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard angewendet. Zukünftige Infektionen werden auftreten und auch die bisher hohe Kosten verursachenden Grippewellen im Herbst und Frühjahr lassen sich dadurch vermeiden. Bewegungsangebote werden auf der gesamten Fläche (Deskbike, Laufmatte, Trampolin, „Zwangspunkte“ zur Bewegung) angeboten.
  • Jeder Bereich erhält seine Homebase. Die Fläche wird für jeden Bereich individuell nach den jeweiligen Arbeitsanforderungen berechnet. Es gibt keine einheitliche Lösung (Flächenaufteilung). „Spielregeln der Nutzung“ für die Belegung der Flächen innerhalb der Teams, der Bereiche und zwischen den Bereichen müssen von den Teams erarbeitet werden. 18 Prozent der Fläche stehen für Fokussierung, 68 Prozent für Teamarbeit, Interaktion und 14 Prozent für Rückzug und Entspannung den Bereichen im Durchschnitt zur Verfügung. Für durchschnittlich 67 Prozent der Mitarbeitenden steht permanent ein Arbeitsplatz als Einzel- bzw. Gruppenarbeitsplatz zur Verfügung. An Bürofläche werden von den Bereichen im Vergleich zum IST-Stand durchschnittlich 29 Prozent eingespart.
  • Vorhandene Einrichtungen werden bevorzugt. Bei Neuanschaffungen, die für Coworking-, Meeting-, Rückzugs-und Begegnungsflächen notwendig sind, werden Lösungen aus nachhaltigen, zertifizierten Materialien und Vorgehensweisen angestrebt, die flexibel einsetzbar sind. Die kürzeren Lebenszyklen bei Konferenz- und Kommunikationsausstattung werden bei Neuanschaffungen berücksichtigt.

Resümee

Erkenntnisse aus der Pandemie haben dauerhaft die Wahrnehmung der Arbeit verändert. Die freie Wahl zwischen Homeoffice und Businessoffice ist der eine Kernpunkt der veränderten Sichtweise. Der andere sind die veränderten Erwartungen der Mitarbeitenden an die Bedingungen der Arbeit.

Höhere Ansprüche der Mitarbeitenden an Gesundheit bei der Arbeit – und an eine psychosoziale Umgebung müssen erfüllt werden. Das Büro wird dabei zum Ort des persönlichen Austauschs, der Gemeinschaft und einer identitätsstiftenden Arbeitswelt.

So lässt sich New Work dauerhaft gestalten, damit die Menschen ihre Arbeit als sinnvoll erleben, sich wohlfühlen und produktiv sind.

Sie möchten mehr über das Projekt erfahren? Oder stehen selbst vor der Herausforderung, Ihre Büroumgebung auf die Bedingungen nach der Pandemie anzupassen? Dann sprechen Sie uns gern an

Über den Autor

Dieter Boch, Geschäftsführer iafob deutschland

Dieter Boch ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland) und Leiter des internationalen Flexible.Office.Network., einem überbetrieblichen Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zur BüroArbeitswelt von Morgen.

Als Dozent lehrte er an der Fachhochschule Salzburg und der Hochschule für Wirtschaft in Zürich Führungsverhalten und Future Work & Workplace Design.

Der Diplom-Psychologe ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und 
Mitherausgeber der Buchreihe „Flexible Arbeitswelten“. 

Bewegung beim Arbeiten: Wie Herz-Kreislauf und mentale Funktionen ganz einfach nebenbei angekurbelt werden können

Mehrere Deskbikes in einem Büro

7,5 Stunden durchschnittlich sitzen die Deutschen insgesamt an Werktagen, Menschen mit Schreibtischjobs erheblich mehr. Auslöser sind Arbeit und Fernsehen (DKV Report 2018). Die Natur hat uns nicht für langes Sitzen ausgestattet. Das Risiko für Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes, Bluthochdruck, aber auch für Rückenbeschwerden steigt mit zunehmenden Sitzzeiten. Auch regelmäßige Bewegung in der Freizeit kann dieses Risiko nicht komplett ausgleichen, deshalb ist die regelmäßige Unterbrechung der sitzenden Tätigkeit die einzige Lösung.

Innovative Lösungen gegen Bewegungsmangel

In amerikanischen Unternehmen werden bereits seit einigen Jahren sogenannte Dynamic Workplaces eingesetzt. Darunter versteht man Geräte zur Bewegung am Arbeitsplatz, ohne dass die Arbeit unterbrochen werden muss. Zunehmend werden diese auch in Deutschland eingesetzt. Mit dem Worktivity Deskbike, einem Schreibtischfahrrad, das am höhenverstellbaren Schreibtisch eingesetzt wird, kann der optimale Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Radeln stattfinden. Dadurch wird das psychische und körperliche Wohlbefinden gesteigert. Die Aktivierung ist bereits nach kurzer Zeit spürbar.

Laut zahlreicher Studien schadet die Bewegung auf dem Deskbike der Arbeitsleistung nicht. Die Geräte sind leise und können im Widerstand angepasst werden. Sie sind durch die Höhe des Sattels einstellbar auf verschiedene Körperlängen, so dass eine ergonomische Haltung möglich ist. Durch eine App können per Bluetooth die zurückgelegten Strecken sowie eine Schätzung der verbrauchten Kalorien auf dem eigenen Smartphone angezeigt werden.

Bürosituation mit Worktivity Deskbike
Die Bewegung auf dem Deskbike fördert die Arbeitleistung. Foto: Worktivity GmbH

Gesundheitsförderung auch für Bewegungsmuffel

Gesundheitskurse in Unternehmen werden häufig vor allem von ohnehin Sport-affinen Mitarbeitenden genutzt. Die Möglichkeit, direkt am Arbeitsplatz aktiv zu werden, ist auch für Menschen interessant, die weder in der Freizeit sportlich aktiv sind noch an betriebsinternen Angeboten teilnehmen. Radfahren ist eine Bewegung, die vertraut ist. Bei dieser Maßnahme geht es auch nicht um Leistung, sondern um moderate Bewegung. Die Sitzhaltung sollte alle 1-2 Stunden unterbrochen werden, dadurch kann ein Deskbike sehr gut von mehreren Mitarbeitenden genutzt werden.

Auch mehrere Worktivity Deskbikes können in einem Büro zum Einsatz kommen. Das Schreibtischfahrrad ermöglicht den optimalen Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Radeln. Foto: Worktivity GmbH

Welche Voraussetzungen sind für einen erfolgreichen Einsatz notwendig?

Die Information der Mitarbeiter über den Nutzen steht im Vordergrund. Gesundheitsmanagement und Betriebsärzte sind wichtige Multiplikatoren, um die Motivation der Mitarbeiter zu wecken. Der für den Arbeitsschutz zuständige Mitarbeiter sollte ebenfalls einbezogen werden. Die DGUV hat in einem großen Projekt die Aktiven Arbeitsplätze untersucht und einen Report dazu herausgegeben (IFA Report 3 2018).
Einsatzmöglichkeiten gibt es sowohl im Open Space als auch in konventionellen Büroumgebungen. Auch im Homeoffice wird mittlerweile geradelt. Webkonferenzen mit „bewegten“ Kollegen sind oft effektiver und kürzer.

Über die Autorin

Dr. Ingeborg Eisenacher-Abelein, Geschäftsführerin Worktivity GmbH

Dr. Ingeborg Eisenacher-Abelein ist Geschäftsführerin der Firma Worktivity GmbH. Davor war sie als Stellvertretende Leitende Betriebsärztin für das Gesundheitsmanagement eines großen Telekommunikationsunternehmens zuständig und konnte in dieser Funktion ein wissenschaftlich begleitetes Projekt zum Einsatz von Deskbikes im Unternehmen initiieren.

Mittlerweile zählt Worktivity nicht nur Unternehmen zu seinen Kunden, sondern auch einige Schulen,
die Deskbikes im Klassenzimmer erfolgreich einsetzen und so dem zunehmenden Bewegungsmangel
bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken.

Wer den ganzen Tag sitzt, hat keine Ideen – Plädoyer für einen Paradigmenwechsel in Büros

Wald Ideen Kreativität iafob

Im Juli 2018 meldete die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV): „Niedrigste Bewegungszeit – Deutschland sitzt sich krank“.

Der Stand der Bewegung sank auf den niedrigsten Wert seit 2010. Damals erfüllten immerhin noch 60 Prozent das Mindest-Soll gemäß den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO, die besagen: 150 Minuten pro Woche zur Arbeit oder einkaufen gehen, Treppen laufen, radeln, schwimmen, Bergsteigen – was auch immer, nur nicht sitzen. Ende Juli 2021 erscheint der neue DKV-Report. Haben die Menschen die Mobilitäts- und Kontaktbeschränkungen für mehr körperliche Aktivität genutzt?

Denken braucht Bewegung

In den Lehranstalten der Antike hatte die Akademie als Zentrum den Wandelgang, in dem der Lehrer im Gespräch mit einzelnen Schülern auf- und abging. Denken braucht keine Ruhe, Bewegung nützt dem Denkvorgang, weil dann mehr Hirnareale beteiligt sind.

In manchen Schulen in Deutschland wird seit einiger Zeit während des Unterrichts gestrampelt: Schüler sitzen auf einem Fahrrad-Ergometer oder laufen auf einem Laufband herum. Erprobt wird das Vorgehen an zwei Schulen in Bremen und Aschaffenburg. Erste wissenschaftliche Untersuchungen durch die Universität Oldenburg zeigen, dass das Ziel erreicht wird. Die Schüler bringen tatsächlich bessere Leistungen im Rechnen und können sich besser und länger konzentrieren.

“Bewegung nützt dem Denkvorgang, weil dann mehr Hirnareale beteiligt sind.”

Körperliche Aktivität fördert nicht nur Durchblutung und Muskelaufbau, sie ist also auch nützlich für Geist und Seele. Eine Studie von Forschern der Universität Ulm ergab, dass Grundschüler, die täglich Sportunterricht haben und dafür weniger Unterricht in anderen Fächern, bessere Leistungen als eine Vergleichsgruppe besonders in Mathematik erbringen. Es erhöht außerdem das räumliche Vorstellungsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit.

„Die Bewegung an sich macht nicht intelligenter“, sagt Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Aber Kinder werden durch den Sport ruhiger, so können sie sich besser konzentrieren, mehr Wissen aufnehmen und werden dadurch leistungsfähiger.“

Nach neuesten Erkenntnissen verändert sich durch Bewegung das Gehirn. Die Hirnareale, die für Faktenwissen, Erinnerungen, räumliche Lern- und Gedächtnisprozesse zuständig sind, wachsen und werden besser verschaltet.

Wald Ideen Kreativität iafob
Foto: Emma K. Boch

Der Arbeitsraum muss zum Bewegungsraum werden

Wir müssen wegkommen vom bewegungslosen Sitzen. Ein guter Bürostuhl für dynamisches Sitzen ist hier der erste Schritt für mehr Bewegung. Auf den neuen, dreidimensional beweglichen Bürostühlen reichen kleinste, unbewusste Gewichtsverlagerungen, um ganz automatisch die Gelenke gängig zu halten, die Muskeln zu versorgen und das Gehirn zu stimulieren.

Gebraucht wird ein Stuhl, der so flexibel ist, dass er möglichst viele Sitzhaltungen erlaubt, denn „die beste Haltung ist die jeweils nächste“. Eine andere Sitzhaltung einzunehmen, bedeutet auch eine neue Perspektive zu gewinnen. Je variabler die Sitzhaltungen sind, desto gesunderhaltender ist das Bewegungsverhalten und die veränderten Blickwinkel erzeugen veränderte Betrachtungsweisen der gleichen Situation.

Aber das allein genügt nicht. Der gesamte Arbeitsraum sollte zur Bewegung auffordern.

Wie in einem Kindergarten, wo zwei Räume zur Verfügung stehen, ein großer zur Gestaltung der Spiel- und Erziehungssituation und ein zweiter kleiner als Ablageraum für die dazu notwendigen Möbel.

Der große Raum kann je nach den Bedürfnissen gestaltet werden: Zum Singen stellen die Kinder Stühle in einen Kreis, zum Malen werden Tische und Stühle aufgebaut, zum Ausruhen legt man Matratzen aus, etc. Die Kinder haben Spaß bei der Gestaltung, sie können ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben und sie lernen dabei soziales Verhalten.

“Wenn Mitarbeitende zu Beginn eines Meetings den Raum selbst mit Tischen, Stühlen, Präsentationsmaterial und unterstützender IT miteinander aufbauen, lernen sie sich besser kennen, üben soziales Verhalten – und das trägt zu einem besseren Ergebnis der Besprechung bei.”

Tropfen im Wasser
Foto: Emma K. Boch

Der Arbeitsraum, der sich frei umgestalten lässt, gibt den Mitarbeitenden die Möglichkeit, sich voll zu entfalten und sich zu engagieren. Und er bietet die Chance, sich zu bewegen.

Wenn Mitarbeitende zu Beginn eines Meetings den Raum selbst mit Tischen, Stühlen, Präsentationsmaterial und unterstützender IT miteinander aufbauen müssen, lernen sie sich besser kennen, üben sie soziales Verhalten – und das trägt zu einem besseren Ergebnis der Besprechung bei. Es unterstützt die Teambildung, wenn Mitarbeitende sich die Tische und Stühle für ein Meeting oder ein zu startendes Projekt selbst zusammenstellen müssen. Bewegung ist nicht nur gesundheitserhaltend, sondern schafft Raum im Kopf für kreative Ideen. Und diese Arbeitslandschaft ist auch flächensparend und nachhaltig.

Bewegung führt über Gesundheit zu einer neuen Unternehmenskultur

„Unfertige“ Räume und Möbel schaffen ein innovationsförderndes Klima. Dazu braucht es lediglich beispielsweise falt- und klappbare Tische, rollbare Sitz- und Stehmöglichkeiten sowie beschreibbare Wände, aber auch eine perfekte mediale und digitale Unterstützung.

Klaus Würschinger, Architekt aus Berlin, sagte schon auf der iafob deutschland Jahrestagung 2017: “Co-Working-Spaces sind ein ideales Betätigungsfeld für die Beschäftigten. Meine Erfahrung: In unfertigen Räumen kann man schöne Dinge entstehen lassen.“

Ein Prinzip des Open-Space-Konzepts (Harrison Owen) ist das der Beweglichkeit. Die Teilnehmer einer Open-Space-Veranstaltung stehen auf, gehen in die Mitte und schreiben dort auf vorbereiteten Blättern ihr Thema nieder. Wenn alle Themen benannt sind und niemand ein weiteres vorzubringen hat, wird der Marktplatz eröffnet. Auf diese Weise ist jeder Raum oder das ganze Gebäude, in dem Open Space stattfindet, ein einziger Workshop. Überall Gespräch, überall Diskussion, überall ein Kommen und Gehen, überall Bewegung. Der Open Space Gedanke fördert damit die gesundheitserhaltenden Verhaltensweisen hin zu einer Unternehmenskultur, die betriebliche Gesundheit als eines ihrer Elemente sieht.

Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel in deutschen Büros. Weg vom genormten, starren Sitzarbeitsplatz hin zum menschengerechten Arbeiten im Bewegungsraum. Der Mensch ist physiologisch für das lange Sitzen nicht geschaffen, nur in Bewegung können Körper und Geist leistungsfähig sein.

Mehr in: Flexible Arbeitswelten, Band 4, Kapitel 3, Gesundheitsförderliches Arbeiten

Über den Autor

Dieter Boch, Geschäftsführer iafob deutschland

Dieter Boch ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland) und Leiter des internationalen Flexible.Office.Network., einem überbetrieblichen Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zur BüroArbeitswelt von Morgen.

Als Dozent lehrte er an der Fachhochschule Salzburg und der Hochschule für Wirtschaft in Zürich Führungsverhalten und Future Work & Workplace Design.

Der Diplom-Psychologe ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und 
Mitherausgeber der Buchreihe „Flexible Arbeitswelten“. 

Was ist gesunde und zukunftssichere Büroarbeit nicht nur im Zeichen von Corona?

Das Thema steht seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ganz oben auf der Agenda von Unternehmen und Gesellschaft. Doch Gesundheit ist mehr als nur Virenschutz! Wir machen deshalb „reinen Tisch“ und zeigen Lösungen für eine in jeder Hinsicht gesunde Büroarbeit.

Gesundheit und Sicherheit im Büro – seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben diese beiden Themen Hochkonjunktur: Neben den bisherigen Regularien des Arbeitsschutzes stehen nun neue Parameter im Vordergrund, die mit Abstandsregeln, Maskenpflicht und Hygienevorschriften speziell dem Infektionsschutz dienen. Doch geht es bei Gesundheit nicht eigentlich um mehr? Und was bedeutet das dann für die Planung und Organisation von Büroarbeit?

Gesunde Büroumgebungen fördern das Wohlbefinden

Das Unternehmen Wilkhahn beschäftigt sich schon sehr lange und intensiv mit der Entwicklung von Konzepten und Büromöbeln, die das Thema Gesundheit ganzheitlich begreifen. Das bedeutet an erster Stelle, dass die Planung einer wirklich gesunden und motivierenden Büroumgebung immer das Wohlbefinden der MitarbeiterInnen in den Mittelpunkt stellt – mit dem Ziel, die Gesundheit aktiv zu fördern und Belastungsfaktoren zu reduzieren.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, gilt es Menschen zur Stärkung des Immunsystems in Bewegung zu bringen und flexible Lösungen zu entwickeln, die den selbstorganisierten Wechsel zwischen Interaktion und Abschirmung vereinfachen. Dann können etwa die in Epidemie-Zeiten ohnehin kaum genutzten Foyers, Konferenz- und Seminarräume kurzerhand als temporäre Büroflächen dienen, die mit mobilen und klappbaren Tischplätzen an den aktuellen Stand der Regelungen angepasst werden.

Wo sonst „nur“ gewohnt wird, ist nicht immer eine passende Infrastruktur für die Büroarbeit gegeben.

Burkhard Remmers, Wilkhahn

Professionelle Lösungen für das Homeoffice

Auch das Homeoffice hat sich in Zeiten von Corona als Option für sichere Büroarbeit erwiesen – und es wird sich auch weiterhin etablieren. Aber gibt es überhaupt „das“ Homeoffice? Wo sonst „nur“ gewohnt wird, ist nicht immer eine passende Infrastruktur für die Büroarbeit gegeben. Entscheidend ist hier, dass die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen berücksichtigt werden und dafür dann jeweils professionelle Lösungen bereitgestellt werden. Auch für diejenigen Fälle, in denen die Standards aus dem Büro nicht übertragen werden, gibt es mittlerweile sehr clevere Lösungen, die für die mobile Arbeit zu Hause auch wirklich praktikabel sind.

Aber eines sei nicht vergessen: Auch das beste Homeoffice kann das Büro als sozialen Raum nicht ersetzen. Ein Ort für spontanen und kreativen Austausch, inspirierende und zufällige Begegnungen und das Gefühl von Gemeinschaft und Kooperation. Denn Isolation macht auf Dauer krank. Nähe und Austausch zu fördern – auch das zahlt auf Gesundheit, Produktivität und nicht zuletzt auf Innovationskraft ein.

Wilkhahn hat seine inspirierenden Ansätze und Lösungen für gesunde und effiziente Büroarbeit in einer übersichtlich gegliederten, digitalen Broschüre zusammengefasst. Damit können Sie unkompliziert zu einem gesunden Arbeitsmodus im „neuen Normal“ der Nach-Corona-Zeit finden.

Über den Autor

Burkhard Remmers, Wilkhahn

Burkhard Remmers, studierter Germanist und Historiker, verantwortet seit 1995 bei Wilkhahn den Bereich Internationale Kommunikation und Public Relations.

Der Büromöbelhersteller erhielt nicht nur hochrangige internationale Designpreise sondern wurde bereits 1996 mit dem Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Als Autor zahlreicher internationaler Fachpublikationen, Buchbeiträge und Vorträge gilt Burkhard Remmers als Experte für die Zusammenhänge von Architektur, Kommunikation, Ergonomie und Design im Kontext zukunftsfähiger Office-Konzepte.

Was hat das Streben nach Gesundheit mit der Zukunft des Büros zu tun?

iafob Deutschland Gesundheit Megatrend

Gesundheit ist seit der Corona-Pandemie zu dem Megatrend geworden, sagen einige Trendforscher. Nein, Gesundheit ist seit über 20 Jahren der Megatrend!

Gesundheit ist seit Beginn des 21. Jahrhunderts der wichtigste Motor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den westlichen Industriestaaten. Der Gesundheitsmarkt gehört zu den größten Branchen der Welt.  

So sind seit 2000 zwei Drittel der neuen Arbeitsplätze in den USA im Gesundheitssektor entstanden. Im Jahr 2024 wird der Gesundheitssektor nach einer Studie des US-Bureau of Labor Statistics der größte Arbeitgeber der USA sein. 

Denn seit der Jahrtausendwende befinden wir uns im sechsten Kondratieffzyklus (Die Theorie der langen Wellen der Weltwirtschaft, benannt nach dem sowjetischen Wissenschaftler Kondratieff.) Sein Auslöser und Träger ist das Gesundheitswesen. Seine Basisinnovationen sind psychosoziale Gesundheit und Biotechnologie.

Abb. 1: Die Wellen der wirtschaftlichen Entwicklung, Quelle: Leo Nefiodow, der sechste Kondatrieff, 2001.

Gesundheit war immer wichtig – wenn sie fehlte

Gesundheit hat in den letzten Jahrzehnten – auch schon vor der Corona-Pandemie – eine wesentliche Bedeutung im gesellschaftlichen Bewusstsein bekommen. Aber meist nur dann, wenn sie fehlte.

Der Boom des Gesundheitssektors in der Wirtschaft war bestimmt vom Auftreten von Krankheiten. Die Medizinbranche lebt nicht von der Gesundheit der Menschen, sondern von ihrer Krankheit. Nahrungsergänzungsmittel wurden erst dann gekauft, wenn man ein Unwohlsein spürte. Ein rückengerechter Stuhl wurde im Büro erst nach Vorliegen eines ärztlichen Attests genehmigt. Ergonomische Möbel waren die Ausnahme, nicht die Regel. Vorbeugende Instandhaltung gab es nur bei Maschinen. Vorbeugen statt Heilen war immer nur ein frommer Wunsch von Idealisten oder eine geschickte Marketingstrategie.

Gesundheit ist nicht länger mehr ein individuelles Thema. Mit den Erkenntnissen der Corona-Pandemie wird Gesundheit betrachtet als elementare Bedingung der Lebensgrundlage.

Seit Ende des Industriezeitalters und dem Beginn des Wissenszeitalters hat sich Arbeit gewandelt, weg von körperlicher hin zu geistiger Arbeit. Nicht gewandelt haben sich die Ansätze und Methoden des Gesundheitsschutzes. Das führte dazu, dass psychische Erkrankungen rapide zunahmen. Der Mensch lernte nur schwer, die Belastungen der Wissens-Arbeit einzuschätzen. Ist der Muskel überfordert, bemerkt es der Mensch rechtzeitig und er legt eine Pause ein. Wenn der Geist überfordert ist, bemerkt es der Mensch erst zu spät.

Stress, Depression und Burnout sind die Folgen. Die direkten Kosten für psychische Erkrankungen lagen nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen an zweiter Stelle und waren in den letzten Jahren mit 44,4 Milliarden Euro deutlich höher als die Kosten für Rücken- und andere Muskelerkrankungen mit 34,2 Milliarden Euro, die an vierter Stelle lagen (Statistisches Bundesamt, 2020).

Ohne Bewegung kein Gehirn

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) wird aber immer noch bestimmt von Gesetzen und Einstellungen aus dem vorletzten Jahrhundert, die Ausrichtung auf Ergonomie ist hoch. Körperliche Fitness steht im Vordergrund des Angebots.

Kirschblüten, Foto: Emma Boch
Foto: Emma K. Boch

Doch Bewegung wirkt sich nicht nur auf körperliche sondern auch auf geistige Funktionen aus. Neueste Erkenntnisse aus der Neurophysiologie bleiben noch weitgehend ungenutzt. Daniel Wolpert, Mediziner und Neurobiologe an der Columbia University, New York City, hat in einer aufsehenerregenden Studie 2014 die These aufgestellt, dass der einzige Grund, warum der Mensch ein Gehirn hat, die Bewegung ist.

Je mehr Bewegung in unterschiedlicher Umgebung der Mensch ausübt, desto mehr Informationen bekommt er und desto mehr Ideen hat er (nachzulesen in „Flexible Arbeitswelten, Arbeiten in Zeiten der Pandemie – zwischen Coworking und Homeoffice“).

Bewegung hilft also nicht nur den Körper fit zu halten, sondern macht auch produktiver, glücklicher und zufriedener, weil kreativer. Und das wiederum verhindert Stress, Depression und Burnout.

Die Kosten für das Verdauungssystems liegen mit 41,6 Milliarden Euro an dritter Stelle noch vor den Kosten für Rücken- und andere Muskelerkrankungen. Diese Erkrankung wird aber fast immer im Bereich privater Verantwortung gesehen. Nur ganz selten gibt es Hilfen, Ratschläge und Einrichtungen im Büro für Menschen mit Krankheiten des Verdauungssystems. Die Essenszubereitung in den Betriebsrestaurant müsste auch darauf hin abgestimmt werden.

Alles nichts ohne Gesundheit

„Bleiben Sie gesund“ – Um diesen Satz wird seit einem Jahr die Grußformel in Briefen und E-Mails ergänzt. Was ist neu, was ist anders geworden seit der Corona-Pandemie?

Gesundheit ist nicht länger mehr ein individuelles Thema. Mit den Erkenntnissen der Corona-Pandemie wird Gesundheit betrachtet als elementare Bedingung der Lebensgrundlage. Der Mensch achtet nicht mehr auf das Wohlbefinden und die Gesundheit einzelner seelischer oder körperlicher Funktionen, sondern alle Aktivitäten und Situationen werden auf ihre gesundheitliche Ausrichtung ausgerichtet bzw. überprüft.

Es werden nicht mehr einzelne Therapien verlangt, die lokal ansetzen, sondern umfassende und vorbeugende Maßnahmen. Nicht nur der Stuhl soll ergonomisch sein, sondern die gesamte Einrichtung des Büros. Nicht mehr Fitnesskurse nach Feierabend, sondern gesunderhaltende Arbeitsbedingungen jederzeit und überall sind gefragt. Das Leben in der Arbeit, egal wo sie stattfindet, soll gesunderhaltend sein, von der Bewegung bis hin zu einer stressfreien Unternehmenskultur.

Foto: Emma K. Boch

Auch das Konsumverhalten hat sich verändert, es wird Wert gelegt auf gesunde Ernährung, nicht nur gentechnikfrei, sondern auch umweltbewusst produziert. Nicht nur Bio, sondern vor allem auch regional und saisonal. Das Restaurant im Arbeitsbereich muss frisch zubereitete Speisen aus der Region anbieten, keine aufbereiteten Speisen, die eine halbe Weltreise hinter sich haben.

Das Arbeiten im Homeoffice führt auch dazu, dass nicht mehr unterschieden wird zwischen Arbeits- und Privatleben. Es wird vom Unternehmen kein betriebliches Gesundheitsmanagement mehr erwartet, sondern, dass es Hilfen gibt für das Leben. Flexible Arbeitszeitmodelle für Mobile Working, Hilfen bei der Kinderbetreuung, ein Familienservice, der Unterstützung in allen Lebenslagen anbietet u.v.m. helfen dem Mitarbeitenden in seinem Leben.

Klimaschutz ist Gesundheitsschutz

Artensterben und Klimawandel haben gezeigt, dass es um den Schutz der Natur für den Menschen, um den Erhalt seiner Gesundheit und Lebensgrundlagen geht.

Foto: Emma K. Boch

Laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes vom April 2021 sind mehr als drei Viertel aller Deutschen der Meinung, dass zu wenig für den Klimaschutz getan würde. Die Sorge um den Erhalt des Planeten steht gleichgewichtig neben der Angst vor dem Corona-Virus. Nachhaltigkeit ist also keine Leitlinie mehr für Klimaschutz, sondern für den Erhalt der Lebensgrundlage des Menschen. Nicht nur der „Betrieb“ des Büros soll nachhaltig sein (Energieverbrauch) sondern auch die Errichtung des Gebäudes.

Allein rund 50 Prozent des CO2-Ausstosses werden durch die Errichtung eines Gebäudes verursacht. Das Baumaterial Lehm könnte zukünftig als nachhaltige und umweltfreundliche Alternative für neue Bauten taugen, wie es der Alnatura-Campus in Darmstadt vormacht.

Aber schon die Nutzung von Homeoffice trägt dazu bei, unsere Lebensgrundlagen zu schützen, weil dadurch weniger Büroflächen gebraucht werden. Und selbstverständlich sollte die Einrichtung der Arbeitslandschaft im Home- und Businessoffice mit nachhaltigen Materialien ausgestattet sein.

Gesundheit hat höchste Priorität im (Arbeits-)Leben

Gesundheit und Wohlbefinden haben eine dominierende Bestimmung im Leben bekommen. Alles menschliche Denken und Handeln wird nach dem Aspekt „Gesundheit“ hinterfragt. Gesundheit ist das bestimmende Thema in allen Lebenslagen geworden. Die Ausrichtung auf gesundheitsorientierte Lebensführung, Ernährung und Arbeits- und Freizeitverhalten bestimmt unsere Entscheidungen.

Für das iafob deutschland stand schon immer bei all seinen Projekten die Gesundheit neben den Themenfeldern Führungs-/Unternehmenskultur und Gestaltung des Arbeitsraums im Vordergrund. Bisher mussten wir den Kunden von gesunderhaltenden Gestaltungsmaßnahmen überzeugen. In unserem jüngsten Projekt wurden Maßnahmen zur Gesunderhaltung nachgefragt. Der Wandel wird spürbar.


Über den Autor

Dieter Boch, Geschäftsführer iafob deutschland

Dieter Boch ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Arbeitsforschung und Organisationsberatung (iafob deutschland) und Leiter des internationalen Flexible.Office.Network., einem überbetrieblichen Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch zur BüroArbeitswelt von Morgen.

Als Dozent lehrte er an der Fachhochschule Salzburg und der Hochschule für Wirtschaft in Zürich Führungsverhalten und Future Work & Workplace Design.

Der Diplom-Psychologe ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen und 
Mitherausgeber der Buchreihe „Flexible Arbeitswelten“. 

Multi-Space-Raumgestaltung: Zusammenfassung des f.o.n. connect vom 19. Januar 2021

Am 19. Januar 2021 fand unser f.o.n. connect zum Thema Multi-Space-Raumgestaltung statt. “Wie hat sich die Multi-Space-Raumgestaltung durch Corona verändert? Was wird bleiben, was wieder verschwinden?” waren zentrale Fragen, die diskutiert wurden. Wir fassen die Kernaussagen der Veranstaltung zusammen.

Die Ausgangslage

Die Gestaltung der „Büros“, der Businessoffices ist schon lange geprägt von Trends, die auch vor der Corona-Pandemie die Entwicklung bestimmten. Stefan Schütz von Création Baumann beschriebt die Ausgangslage folgendermaßen:

Die Corona-Pandemie hat den Menschen als Ziel- und Schwerpunkt der Gestaltung in den Vordergrund gestellt.  „Für mich als Unternehmer stehen Gesundheit und Wohlergehen unserer Mitarbeitenden an oberster Stelle, Daher haben auch wir die Bedingungen geschaffen, dass nahezu alle Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten können. Zeiten wie diese zwingen uns, zusammenzurücken, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen. Teil dessen ist es, an die Verantwortung für unsere Familien, unsere Mitarbeitenden, Freunde und an alle Mitmenschen zu denken. Und auch mal an die Natur, die uns zur Zeit zeigt, dass es nicht immer nur nach unseren Spielregeln geht.

Flori Schuster, Geschäftsführer von Sporthaus Schuster im Newsletter 04/20; nachzulesen in Flexible Office, Band 4, Kapitel 3: Keine Veränderung ohne Beachtung der Gesundheit.

Anforderungen an Büroflächen

Die Bürofläche, die Unternehmen zur Verfügung stellen, müssen drei Angebote machen:

  • in erster Linie ein Wohlbefinden (Well Being und Gesundheit) bieten
  • so attraktiv sein, dass der Mitarbeitende dorthin gern zur Arbeit geht
  • sozialen (Arbeits)Kontakt in angenehmer Atmosphäre ermöglichen
  • und eine weitere Bedingung erfüllen: Nachhaltigkeit

Stefan Schütz von Création Baumann fasste das so zusammen:

Stefan Camenzind Aussagen über Well-being am Arbeitsplatz

In diese Richtung geht auch das Ergebnis der Umfrage unter den Mitgliedern des flexible.office.network. (f.o.n.), die wir live durchführten. Mehr als 60 Prozent sagten, dass die jetzt getroffenen Maßnahmen (Abstand, Hygiene, etc.) zur Eindämmung der Pandemie dauerhaft beibehalten werden.

Büros müssen attraktiver werden

Das Büro als Ort des Austauschs, der Ideenentwicklung und gegen die soziale Einsamkeit wird – erst recht nach einer erfolgreichen Impfkampagne – der zentrale Mittelpunkt des Arbeitslebens sein. Einzelarbeitsplätze (Deep Work) werden auch weiterhin im Büro vorhanden sein müssen. Aber Begegnungsflächen müssen attraktiv gestaltet und als Wohlfühloasen ausgelegt sein, so die einheitliche Meinung im f.o.n.

Die bisherige sterile Ausstattung vieler Büros (weiße Wände, keine Farben, einheitliche Ausstattung, „Krankenhausausstattung“, etc.) wird nicht mehr akzeptiert werden. Büros müssen nicht nur attraktiv sein, sondern auch das Image des Unternehmens wiedergeben.

Die Planungen für die Bürofläche müssen differenzierter werden, denn die Mitarbeitenden werden an bestimmten Tagen (Freitags, Montags) zuhause bleiben wollen. Annehmlichkeiten wie beispielsweise kostenloses Essen an Freitagen anzubieten wird sicherlich ein Angebot sein, aber es wird nicht genügen. Das Büro muss zu einem Ort werden, an dem man lebt.

Homeoffice wird sich weiter etablieren, Mitarbeitende werden ein Recht auf mobiles Arbeiten erhalte. Die Hälfte der Befragten sieht zukünftig Vorgaben, die Quoten für mobiles Arbeiten in Unternehmen je Funktion festlegen. Allerdings wird das nicht dazu führen, dass sich die benötigte Bürofläche um 50 Prozent reduziert. Aber immerhin ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass ca. 40 Prozent der Flächen wegfallen könnten.

Weitere Entwicklungen sind nachzulesen in: Flexible Office, Band 4, Kapitel 6 – Coworking und Kapitel 7 – Deep Work.

Weitere Punkte der Diskussion

  • sozialversicherungstechnische Regelungen für Mitarbeitende, die im Ausland arbeiten oder aus dem Ausland kommen
  • virtuelle Wohlfühlangebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit
  • Aufklärungsinformationen über gesunde Ernährung, Fitness, Resilienz

Das Thema “Gesundheit” wird beim nächsten f.o.n. connect am 23. Februar 2021 von 10:30 Uhr bis 12 Uhr fortgesetzt. Hier finden Sie weitere Infos zur Veranstaltung.

f.o.n. connect & meet: Swisscom, Bern (21.09.2021)

Swisscom Business Park iafob deutschland

Das hybride Arbeitsmodell: Büro und Homeoffice. Tools zum Finden der besten Arbeitsmöglichkeit.

Begegnung, Besichtigung & Dialog

Termin

Dienstag, 21. September 2021, 09:30 Uhr bis 16 Uhr
Workshop live & virtuell, live bei Swisscom, Bern

Teilnahme

Für Mitglieder des flexible.office.network: kostenfrei
Für Gäste: live Euro 700,- zzgl. MwSt., virtuell Euro 400,- zzgl. MwSt.

Bei Eintritt ins flexible.office.network. im gleichen Jahr wird der Ticketpreis in Höhe von Euro 400,- bzw. Euro 700,- auf den Jahresbeitrag angerechnet.

f.o.n. connect: Bosch – Innovationskraft erhalten (21.07.2021)

Wie gelingt es in Zeiten von Corona die Innovationskraft zu erhalten?

Termin

Mittwoch, 21. Juli 2021, 10:30 Uhr bis 12 Uhr
Videokonferenz via Zoom

Teilnahme

Für Mitglieder des flexible.office.network: kostenfrei
Für Gäste: Euro 200,- zzgl. MwSt.

Bei Eintritt ins flexible.office.network. im gleichen Jahr wird der Ticketpreis in Höhe von Euro 200,- auf den Jahresbeitrag angerechnet.

f.o.n. connect: Munich Re’s Next Generation Meeting Room (15.06.2021)

Welche Tools der virtuellen Kommunikation eignen sich für die zukünftige Arbeitswelt?

Seit Monaten prägen virtuelle Besprechungen unseren Arbeitsalltag – jeder vor dem eigenen Bildschirm. Doch wie meistern wir hybride Szenarien mit Teilnehmern sowohl im Büro als auch remote? Wie muss ein Besprechungsraum ausgestattet sein, der Personen im Raum als auch zugeschaltet ein hervorragendes Erlebnis bietet?

Munich Re hat eine Lösung entwickelt und in Besprechungsräumen weltweit installiert, die einfache Bedienung, volle Integration in Microsoft Teams und bestes Audio/Video realisiert.

Termin

Dienstag, 15. Juni 2021, 10:30 Uhr bis 12 Uhr
Videokonferenz via Zoom

Teilnahme

Für Mitglieder des flexible.office.network: kostenfrei
Für Gäste: Euro 200,- zzgl. MwSt.

Bei Eintritt ins flexible.office.network. im gleichen Jahr wird der Ticketpreis in Höhe von Euro 200,- auf den Jahresbeitrag angerechnet.

f.o.n. connect spezial: Bürowelten virtuell erkunden (18.05.2021)

3D-Animation iafob Deutschland

Bürowelten virtuell erkunden: Wie lassen sich 3D-Animationen einsetzen?

Um die Corona-Pandemie einzudämmen, müssen wir direkte Kontakte vermeiden. Doch wie können wir uns über Best-Practice-Beispiele von Bürowelten anschaulich informieren? Wie können Bürorundgänge in Zeiten von Homeoffice und Abstand aussehen? Und welche Möglichkeiten bieten virtuelle Rundgänge, 360°-Videos oder 3D-Showrooms für Unternehmen?

Termin

Dienstag, 18. Mai 2021, 10 Uhr bis 12 Uhr
Videokonferenz via Zoom

Referentin

Claudia Kiani, Gründerin und Geschäftsführerin omnia360

Seit Claudia Kiani zum ersten Mal eine VR-Brille aufgesetzt hat, ist sie geflasht von den Möglichkeiten immersiver Medien.

Mit der Gründung von omnia360 setzt die studierte Marketingfachfrau auf Virtual Reality und 360°-Content, um reale Orte virtuell erlebbar zu machen. On- und offline steckt sie mehr und mehr Menschen mit ihrer Begeisterung für neue Technologien an. Im Vorstand von nextReality.Hamburg e.V. engagiert sich Claudia Kiani dafür, die Hansestadt zum Pionierstandort in Sachen Virtual und Augmented Reality zu machen.

Teilnahme

Für Mitglieder des flexible.office.network: kostenfrei
Für Gäste: Euro 400,- zzgl. MwSt.

Bei Eintritt ins flexible.office.network. im gleichen Jahr wird der Ticketpreis in Höhe von Euro 400,- auf den Jahresbeitrag angerechnet.