Dina Andersen: „Office-Gestaltung ist heute weit mehr als reine Innenarchitektur“

Gerade hat Dina Andersen den „Iconic Award 2018“ in der Kategorie „Innovative Architecture“ für die Gestaltung des Siemens Coworking Space gewonnen. Auch der „German Design Award“ wurde der Innenarchitektin in diesem Jahr verliehen – für die Gestaltung der Allianz Global Digital Factory. Dina Andersen ist Gründerin von D’NA Unique Corporate Spaces und hat sich auf die Einrichtung von Corporate Interiors spezialisiert.

Auf der iafob-Jahrestagung am 22. November 2018 in Bern gestaltet die viel prämierte Architektin einen Workshop zu Coworking und vernetztem Arbeiten.

Wir sprachen vorab mit ihr über ihre Arbeit und wie es ihr gelingt, Mitarbeiter in den Kreationsprozess einzubeziehen.

IAFOB: Frau Andersen, „Creating Corporate Culture Clubs –
Co-Working und vernetztes Arbeiten der Zukunft“ ist der Titel Ihres Workshops auf der iafob deutschland Jahrestagung 2018. In Ihren Projekten betonen Sie, dass Sie ein Arbeitsumfeld schaffen wollen, das Innovationskraft, Kreativität und Lösungswillen entfaltet. Wie schaffen Sie das?

DINA ANDERSEN: Räume nehmen direkten Einfluss auf das, was wir tun und wie wir es tun. Das ist meine feste Überzeugung und auch die Erfahrung zeigt das. Viele Unternehmen wollen neue Arbeitsmethoden etablieren. Dabei stehen Innovationskraft, Kreativität und Lösungswillen des Einzelnen sowie der Teams mehr denn je im Fokus. Ich sehe es als planerische Hauptaufgabe, diese Anforderungen in einem positiven und fördernden Sinne zu unterstützen und abzubilden.

Kommunikation und Kollaboration sind in vielen Tätigkeitsbereichen mittlerweile die wichtigsten Arbeitsmittel und dies gilt es im Raum darzustellen. Gute Arbeitsumfelder sollen helfen, bereitstellen aber auch ein wenig auffordern, das Umfeld selber mitzugestalten, es flexibel und modifizierbar zu halten.

Office-Gestaltung geht heute weit über reine ansprechende Innenarchitektur hinaus. Sie ist ein Work-Tool geworden. In diesem Sinne versuche ich, dem Thema und der Aufgabe angemessen, „Corporate Culture Clubs“ zu etablieren – gemeinsam mit den Mitarbeitern. Ziel ist, dass ein Ort entsteht, der eindeutig die Identität der Teams abbildet und die Kultur des Unternehmens kommuniziert. Diese Arbeitsorte haben – vielleicht wie eine kleine Stadt – unterschiedliche Angebote und Situationen: vom „Café“ zur Kommunikation über kleine Rückzugs“parks“ bis zur Versorgung mit allem, was zum Arbeiten benötigt wird. In jedem Fall ist es aber immer das eine, besondere Umfeld für diese speziellen Mitarbeiter und das spezielle Unternehmen.

IAFOB: Sie stellen die Identität der Nutzer in den Mittelpunkt Ihrer Planungen und haben dabei das Wohlbefinden der Mitarbeitenden immer im Auge. Welche Vorgehensweise wählen Sie bei Ihren Planungen?

DINA ANDERSEN: Ich lege keine Schablone an – jedes Projekt ist einzigartig. Ich bringe mein Wissen, meine Erfahrung und meine Begeisterung über Corporate Spaces ein und erkläre das auch. Somit sprechen alle die gleiche Sprache, sind für das Thema qualifiziert und es wird möglich, die Aufgabe als Sparringspartner zu lösen – zwischen Planer und Unternehmen bzw. Mitarbeitern. Räume können uns viel ermöglichen: von tiefer Konzentration bis hin zu Spaß an dem, was wir tun. Wir müssen „einfach“ die wichtigsten Themen im 3-Dimensionalen abbilden und erlebbar machen, damit der Raum zu einer tatsächlichen Bereicherung wird.

IAFOB: Die Jahrestagung 2018 betont mit Ihrem Titel “Deep Work” den wichtigen Aspekt des fokussierten Arbeitens. Wie gestalten Sie in Ihrer “Raumplanung” die Anforderung nach Rückzug zum Denken mit sich selbst und zur Erholung?

DINA ANDERSEN: Die Wichtigkeit des räumlichen Dialogs zwischen Konzentration und Kollaboration ist bereits bekannt. In den letzten Jahren ist eventuell der Schwerpunkt zu oft auf die Kollaboration und Kommunikation gelegt worden. Das Ergebnis war in nicht wenigen Fällen die Unzufriedenheit der Mitarbeiter, da es ein zu hohes und zu dauerfrequentes Störpotential in den sogenannten „Open Spaces“ gab. Das soll natürlich nicht sein. Nur eine Ausgewogenheit beider Themen kann förderlich sein.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass schon durch die Strukturierung und Wegeführung des Raumes viel Einfluss auf Störpotentiale genommen werden kann. Dort, wo ich Flächen öffne, kann es nicht sein, dass ständig 30 Mitarbeiter zum Coffeepoint durchwandern.

Im Detail sind Themen wie Rückzugsorte im Sinne von Räumen in regelmäßigen Abständen einzuplanen, aber auch die klassischen Themen wie Akustik und Oberflächen mit besonderem Augenmerk zu behandeln. Nur wer sich regelmäßig fokussieren und konzentrieren kann, und somit neue Ideen und Lösungen erdenken kann, wird auch in der Teamkommunikation wertvolle Inhalte einbringen können. Dieses Thema ist ein sehr wichtiges.

IAFOB: Sie moderieren einen Workshop auf der Jahrestagung. Wie werden Sie den Teilnehmern die Ziele und Vorgehensweise bei der Einrichtung von Corporate Interiors übermitteln?

DINA ANDERSEN: Ich werde eine Einführung und Qualifizierung in die Planungsmöglichkeiten im Raum geben, damit wir alle wissen, was mit welcher Maßnahme erreicht werden kann und wie wir das tun können. Wir werden einige Referenzprojekte zu Lösungen ansehen und gerne diskutieren.

Im Workshop selber werden wir anhand einer Beispielfläche gemeinsam ein Layout strukturieren um zu erfahren, was es an unterschiedlichen Möglichkeiten der räumlichen Umsetzung geben kann und wie sich die Raumstruktur auf den Arbeitsprozess und das Befinden der Mitarbeiter auswirken kann. Auf diese gemeinsame Arbeit und die Diskussionen freue ich mich bereits.