Hafven-CEO Jonas Lindemann: „Das Hafven löst die Grenzen zwischen klassischer Erwerbstätigkeit, Hobby und Inspiration bewusst auf“

Jonas Lindemann ist „digitaler Nomade“, studierter Kommunikationsdesigner und Serial Entrepreneur. Als Mitgründer und Geschäftsführer des Hafven, einer etwa 1.000-köpfigen Gemeinschaft in Hannover, betreibt er Coworking- und Makerspaces, Acceleratoren und diverse Innovationsprogramme. Jonas wurde 2017 als Fellow des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes in den Experten-Beirat für Deutschland berufen und engagiert sich in weiteren Beiräten rund um die Themen Digital und Entrepreneurship.

Auf der iafob-Jahrestagung am 22. November 2018 in Bern berichtet er über seine Praxiserfahrungen aus sieben Jahren in der „Zukunft der Arbeit“. Wir sprachen mit Jonas Lindemann über das Besondere am Hafven und die Bedeutung von Deep Work.

IAFOB: „Spaces, People, Innovation“ ist der Titel Ihres Vortrags auf der iafob deutschland Jahrestagung 2018. Wollen Sie damit ausdrücken, dass Räume den Menschen formen und anregen zu Ideen?

LINDEMANN: Grundsätzlich halte ich Räume für eine Plattform, die so gestaltet werden kann, dass diese möglichst zugänglich für Menschen, möglichst fördernd für Austausch, möglichst anregend für Ideen sein kann – oder das genaue Gegenteil. Fest steht allerdings: Räume ohne Menschen, sind nur Räume.

IAFOB: Sie sprechen nicht von Coworking, sondern davon, Teil einer Gemeinschaft zu werden, die alle Lebensbereiche einschliesst, vom gemeinsamen Frühstück über das Arbeiten bis zum gemeinsamen Abend-Event. Ist das Hafven ein Labor für eine Community, die den Menschen ganzheitlich sieht und unterstützt?

LINDEMANN: Absolut. Das Konzept des Hafven löst die Grenzen zwischen klassischer Erwerbstätigkeit, Hobby und Inspiration bewusst auf. Die besten neuen Ideen entstehen durch die Kombination aus Dingen, die es schon gibt, in dieser Form aber noch nie miteinander reagiert haben. Damit dies geschieht, haben wir eine Plattform geschaffen, die möglichst alle Aspekte, die die Hafven-Community mitbringt, sichtbar und zugänglich macht. Daraus entsteht Spaß, Wissen, Kunst, Sinn – und immer auch Business.

IAFOB: “Mache das, was du schon immer wolltest” ist einer der Leitsprüche des Hafven. Sinnhaftigkeit der Arbeit motiviert den modernen Menschen und Sie stellen ihm im Hafven dafür alles an Wissen, Material und Verknüpfung mit anderen zur Verfügung?

LINDEMANN: Unsere Mission Dinge möglich zu machen, die ohne eine Hafven-Community nicht passiert wären, unterstellt, dass Menschen immer nach Sinn oder besser gesagt nach einer gewissen Selbstwirksamkeit streben, diese aber aufgrund fehlender Ressourcen wie Wissen, Werkstätten und Mitstreitern nur selten realisieren können. Dass mittlerweile über 1.000 Menschen unser Angebot nutzen spricht dafür, dass wir zumindest für einige diese Lücke füllen konnten.

IAFOB: Die Jahrestagung 2018 betont mit Ihrem Titel “Deep Work” den wichtigen Aspekt des fokussierten Arbeitens. Schaffen Sie im Hafven auch die Möglichkeit allein und ungestört ein Thema voranzubringen oder anders ausgedrückt, mit sich selbst allein zu sein? Oder braucht es da einen anderen Ort?

LINDEMANN: Deep Work ist ein großes Thema für uns. Unsere Erfahrung zeigt hier aber vor allem, dass es kaum pauschale Antworten auf die Frage der idealen Umgebung dafür gibt. Wir haben diverse Maßnahmen getroffen, um verschiedene funktionale Zonen zu schaffen, in denen Team-Arbeit aber eben auch fokussiertes Arbeiten in einem Haus stattfinden kann. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass für einige an einem Tag ein belebtes Café der ideale Ort ist, um an einem wissenschaftlichen Text zu schreiben und am nächsten eine “Museumsatmosphäre”, die absolut passende ist. Unsere Lösung ist es also, möglichst viele Zonen anzubieten, durch die jeder Zeit für eine spontane Nutzung zur Verfügung stehen.